Sport : Erdrückende Wucht

Rafael Nadal gewinnt das Finale der French Open gegen Roger Federer in vier Sätzen

Petra Philippsen[Paris]

Seine Vorhand wäre unerreichbar gewesen. Doch der Ball setzt ein paar Zentimeter hinter der Grundlinie auf. Nur ein paar Zentimeter sind es, die den großen Traum von Roger Federer endgültig platzen lassen. Konsterniert blickt der Schweizer zu Boden, während sich Rafael Nadal auf der anderen Netzseite wie ein Maikäfer auf den Rücken fallen lässt und einen Moment lang den Triumph ganz für sich alleine genießt. Es hätte Roger Federers großer Tag werden können, doch es gelang ihm erneut nicht, den Unbezwingbaren der French Open zu besiegen. Vor den Augen des spanischen Kronprinzen Felipe holte sich Nadal in einem hochklassigen Finale mit 6:3, 4:6, 6:3, 6:4 seinen dritten Titel in Roland Garros und ist damit der erste Spieler seit Björn Borg 1980, dem in Paris der Hattrick gelungen ist.

Noch niemand konnte Nadal bisher in Paris bezwingen. Wie schon im vorigen Jahr stand Federer relativ dicht davor, seinen ersten Triumph bei den French Open zu feiern und sich damit die Chance auf den Grand Slam (Siege bei allen vier Turnieren in einem Jahr) offen zu halten. Erneut nahm er Nadal im Finale einen Satz zum 1:1-Ausgleich ab, doch am Ende strahlte wieder der Spanier, während Federer die Tränen der Enttäuschung nur mühsam zurückhalten konnte. Wie tief ihn diese Niederlage getroffen hatte, war dem Weltranglistenersten deutlich anzusehen. Nadal wollte ihm wohl ein wenig Trost spenden, als er bei seiner Dankesrede sagte: „Es tut mir leid, Roger.“

Doch entschuldigen brauchte sich Nadal für seine herausragende Leistung auf dem roten Sand des Court Philippe Chatrier mit Sicherheit nicht. Das Duell der beiden Topstars hätte kaum intensiver geführt werden können und war gleichzeitig eine Demonstration der verschiedenen Systeme. Der Virtuose Federer, der mit filigraner Leichtigkeit über jegliche Spielvariation verfügt, gegen das Kraftpaket Nadal, der mit Wucht und extrem viel Top-Spin das Spiel von der Grundlinie diktiert. Bis zum zweiten Satz schien es, als könne Federer an diesem Tag tatsächlich der große Coup gelingen. Mit seiner immens starken Rückhand und durchdachten Angriffen am Netz brachte der Schweizer Nadal in Bedrängnis und konnte nach Sätzen ausgleichen. Doch besonders der Aufschlag ließ Federer im Stich, so dass er Nadals immer stärker werdendem Druck nicht genug entgegenzusetzen vermochte.

„Der dritte Satz war sicher der Knackpunkt im Match“, erklärte Federer enttäuscht. „Es war für mich schwerer als im vorigen Jahr, da habe ich vorne gelegen. Heute musste ich immer nachziehen. Trotzdem habe ich bis zum Schluss an meine Chance geglaubt.“ Nach dem Break im vierten Durchgang mochte jedoch niemand mehr auf einen Sieg Federers setzen, obwohl er eines seiner besseren Matches auf Sand spielte. Dafür agierte Nadal auf seinem Lieblingsbelag einfach zu dominant. 60 unerzwungene Fehler standen bei Federer zu Buche, mehr als doppelt so viele wie bei seinem Gegner. Von seinen insgesamt 17 Breakchancen konnte der Schweizer nur eine einzige verwerten. Die im Tennis so entscheidenden Punkte im Match sicherte sich Nadal und hielt die Trophäe, die ihm vom dreifachen Paris-Sieger Gustavo Kuerten überreicht wurde, vollkommen zu recht in Händen.

Dabei schienen die Vorzeichen für Federer nach seinem Sieg beim Masters in Hamburg gut zu stehen. Dort konnte er im Vorfeld der French Open seinen Erzrivalen zum ersten Mal auf Sand bezwingen, sogar mit 6:0 im entscheidenden Satz. Doch in Paris vermochte Federer an diese Leistung gestern nicht anzuknüpfen und konnte seine achte Teilnahme in Folge an einem Grand-Slam-Finale nicht mit seinem elften großen Titel krönen. „Ich bin traurig, aber ich habe heute gegen einen fantastischen Spieler gespielt. Ich werde im nächsten Jahr wiederkommen und es wieder versuchen“, versprach Federer. Nadal fühlte sich dagegen wie in einem „Traum, der Wirklichkeit geworden ist“, und konnte auf die Frage, was es nach diesem Sieg noch gäbe, das er verbessern könnte, nur mit einem breiten Grinsen antworten: „Mein Französisch.“

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