Sport : Ereignis Zweite Liga

Hertha siegt mal wieder zu Hause: Gegen Oberhausen feiern 48 000 Fans ein 3:2

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Erstligareif. Die Fans von Hertha BSC simulierten Bundesliga im Olympiastadion. Foto: dpa
Erstligareif. Die Fans von Hertha BSC simulierten Bundesliga im Olympiastadion. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Es klang wie Erste Liga, es schmeckte wie Erste Liga, es fühlte sich an wie Erste Liga. Die Sonne schien bei 25 Grad, die Currywurst, von einigen als beste Stadionwurst der Republik erachtet, schmeckte wie früher gegen Bayern München, und die Ostkurve war komplett gefüllt. Mit 48 385 Zuschauern war zum Zweitligastart gar mehr Publikum vor Ort als vor einem Jahr beim Bundesligabeginn gegen Hannover, dem bislang letzten Ligasieg im Olympiastadion – bis zum 3:2 (1:1) gegen Rot-Weiß Oberhausen am Freitagabend. „Ich bin zufrieden, auch mit der spannenden Art und Weise des Sieges, das Publikum hat sein Kommen nicht bereut“, sagte Manager Michael Preetz.

Ihr Kommen ebenso wenig bereut hatten der erst 17-jährige Marco Djuricin, mit zwei Treffern Mann des Spiels, und Waleri Domowtschiski, der ebenfalls traf. Damit gelang der erste Teilabschnitt des 34-teiligen Unternehmens Wiederaufstieg bei dem Verein, der sich noch nicht so recht an die Zweitklassigkeit gewöhnen kann. Selbst Trainer Markus Babbel hatte seinen Trainingsanzug aus der Vorbereitung gegen einen Anzug eingetauscht, wie einst auf der Stuttgarter Bundesligabank.

Das erste Zweitligaspiel für Hertha nach 13 Jahren begann spektakulär: Nach zwei Minuten pfefferte der neue Berliner Stürmer Rob Friend einen Fallrückzieher Richtung Tor. Dabei stürzte er allerdings böse auf den Kopf und fiel sofort wieder um, als er aufstehen wollte. Auch die Mannschaft wurde von der harten Realität der Zweiten Liga überrascht: Nach sechs Minuten segelte eine Oberhausener Ecke über alle Berliner Köpfe hinweg und Torwart Maikel Aerts sah von seiner Linie mit an, wie Moses Lamidi den Ball mit der Hacke zum 1:0 ins Tor schob.

Die Reaktion der Fans war erstligareif: Trotz Rückstands feuerten sie den Aufstiegsfavoriten gegen den Abstiegskandidaten weiter an. „Mit der Art, wie sie uns nach vorne gepeitscht haben, hatten die Zuschauer großen Anteil am Erfolg“, sagte Babbel. Doch zunächst klatschte eine Kopfballkombination über Domowtschiski und Nikita Rukavytsya nur auf die Latte. Dann musste der immer noch schwindelnde Friend wegen einer Gehirnerschütterung aufgeben, für ihn kam Marco Djuricin. Der 17-jährige Österreicher mit serbischen Wurzeln war mit sieben Treffern überraschend bester Torschütze der Vorbereitung und hob das Spielniveau gleich in erstliganahe Regionen. Bei Djuricins erstem guten Zuspiel stand Domowtschiski im Abseits, doch beim zweiten schlich sich Adrian Ramos an seinem Gegenspieler vorbei und legte in die Mitte ab auf Domowtschiski. Der Vertreter des verletzten Raffael traf aus fünf Metern zum 1:1.

Die Fans unterdessen bewiesen, dass sie einen Teil der neuen Zweitligarealitäten und –rivalitäten bereits angenommen haben. Als der Führungstreffer des 1. FC Union im Parallelspiel auf der Anzeigetafel erschien, wurde gepfiffen, beim Ausgleich Aachens gejubelt.

Djuricin arbeitete dagegen weiter an seinem „Einstand nach Maß“, wie es Babbel nach dem Spiel nannte: Vier Minuten waren in der zweiten Halbzeit gespielt, als Oberhausens Torwart Sören Pirson einen Schuss Rukavytsyas nicht festhalten konnte und der lauernde Djuricin zum 2:1 traf. „Da dachte ich, das gibt uns mehr Sicherheit – das Gegenteil war der Fall“, klagte Babbel. Zwölf Minuten vor Schluss erreichte plötzlich ein langer Ball Lamidi, der das 2:2 erzielte. Doch wieder war es Djuricin, der eine Antwort fand: Das weite und präzise Zuspiel des eingewechselten Ronny schob er überlegt zum 3:2-Siegtreffer ein.

Und so fühlte sich der Abend am Ende gar nicht mehr wie Erste Liga an – denn ein Heimspiel war gewonnen.

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