Sport : Erfahrung schlägt Jugend

Tschechien gewinnt das Finale 2:1 gegen Russland

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Ein Pokal, viele Hände. Das tschechische Nationalteam bejubelt den überraschenden Sieg gegen den WM-Favoriten aus Russland. Foto: dpa Foto: dpa
Ein Pokal, viele Hände. Das tschechische Nationalteam bejubelt den überraschenden Sieg gegen den WM-Favoriten aus Russland. Foto:...Foto: dpa

Köln - Etwas Verspätung hatte Jaromir Jagr. Nur mühsam näherte er sich dem tschechischen Partygrüppchen, das da schon freudetrunken über das Eis tanzte, und das hatte nun wahrlich nichts mit seinem betagten Eishockeyalter von 38 zu tun. Ein böser Check des russischen Verteidigers Alexei Jemelin hatte ihm im Weltmeisterschaftsfinale eine Verletzung eingebracht, die das Laufen doch arg beeinträchtigte. Irgendwann jubilierte aber auch Jagr über die Goldmedaille nach dem 2:1-Sieg, während sich die Russen ärgerten – milde ausgedrückt. Nach Spielschluss fläzte sich ihr Superstar Alexander Owetschkin abseits seiner Kameraden an die Bande und guckte dabei noch fieser drein, als man es ohnehin von ihm gewohnt ist.

Verdrehte Welt in der Kölnarena: Jagr feierte letztlich wie ein wild gewordener Teenager und Owetschkin, 24, hing herum wie ein Alter. Seine Botschaft war eindeutig: Wir sind gescheitert. Schließlich hatten die Russen nach dem harsch kritisierten Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver alle verfügbaren Stars zuammengetrommelt, um durch WM-Gold in Deutschland um Gnade bei ihren Landsleuten zu ersuchen. Vergebens, Silber lässt sich im Land des Rekordweltmeisters eben nicht als Erfolg verkaufen. „Wir haben mehr erwartet“, sagte auch Coach Wjatscheslaw Bykow. „Für die Fans, die auch mehr erwartet haben, tut es mir leid.“

Ganze 27 WM-Spiele in Folge waren die Russen als Sieger vom Eis gegangen, bis sie sich am Sonntag von einem Team besiegen ließen, das zwar clever agierte, aber nominell längst nicht so gut besetzt war. „Das ist eine Riesenüberraschung, denn die Russen hatten Stars. Und wir hatten Typen, die in Tschechien spielen und die niemand kennt“, sagte Jagr. Owetschkin sagte – nichts. Ohnehin war der Stürmer von den Washington Capitals während des Turniers eher mit einer im Internet zu betrachtenden Sauf- und Rauchtour durch Köln als mit seinen Leistungen aufgefallen. Wie schon im Halbfinale gegen Deutschland spielte er gegen Tschechien oft unglücklich bis überhastet. Aus den zahlreichen Möglichkeiten machten er und sein Team in einem packenden Finale schlicht zu wenig.

Ganz anders Tschechien und Jagr. Der bei Awangard Omsk angestellte Routinier riss seine weitgehend unbekannte Mannschaft nach einer holprigen Vor- und Zwischenrunde mit – und führte sie an die Grenze des Machbaren. „Wenn mir jemand vor zwei Wochen gesagt hätte, dass dies hier passiert, hätte ich gesagt: Das kann nicht sein“, berichtete Jaromir Jagr nach dem Spiel.

Aber manchmal setzt sich Erfahrung halt gegen jugendliche Unbedarftheit durch. Katrin Schulze

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