Sport : Erfinder der Moderne

Verschlungene Wege des Fußballtrainers Guttmann

Stefan Hermanns

Als im vergangenen Jahr das Buch „Strategen des Spiels“ über die bedeutendsten Fußballtrainer erschien, wurde Bela Guttmann eine kurze Notiz gewidmet. Selbst Experten ist Guttmann (1899-1981) kaum ein Begriff. Der Soziologe Detlev Claussen hat dem Trainer nun eine Würdigung zuteil werden lassen. „Eine sagenumwobene, geheimnisumwitterte Gestalt“ nennt er den ungarischen Juden. Guttmann brachte den Brasilianern Mitte der Fünfzigerjahre das 4-2-4-System bei, mit dem sie 1958 erstmals Weltmeister wurden, er beendete 1961 mit Benfica Lissabon die Dauerherrschaft von Real Madrid im Europapokal der Landesmeister. Der Ungar war ein lebenslanger Emigrant, arbeitete in 13 Ländern. „Wenn ich irgendwo im Fußball etwas Gutes sah, das habe ich gestohlen und für mich behalten“, hat Guttmann gesagt. „Nach einer Weile mixte ich mir einen Cocktail aus diesen gestohlenen Delikatessen.“

In vielem war Guttmann Jürgen Klinsmann ähnlich. Er hat stets auf dem Höhepunkt des Erfolgs aufgehört, romantische Anhänglichkeit war ihm fremd, von Funktionären hat er sich nie etwas sagen lassen. Sein Stil war „ein wiederholter, systematisch geplanter Aufstand gegen die tödliche Herrschaft des Defensivfußballs“. Claussen schreibt: „Sein Leben lang hat Bela Guttmann versucht, die Rolle des Fußballtrainers neu zu definieren.“ Bela Guttmann hat dem Fußball die Moderne gebracht.

— Detlev Claussen: Bela Guttmann. Weltgeschichte des Fußballs in einer Person. Verlag Berenberg.

143 Seiten, 19 Euro.

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