Sport : Erfolg einer Erziehung

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Man muss ein bisschen etwas über Stephan Keppler wissen, damit man seinen jüngsten Erfolg richtig einordnen kann. Der Skirennfahrer Keppler, Speed-Spezialist aus Ebingen auf der schwäbischen Alb, marschierte gerne mal mit nassen Haaren durch die kalte Winterluft, betrachtete sportgerechte Ernährung als Spleen irgendwelcher Trainer und redete mit seinen Betreuern wie es bei ihm zu Hause üblich ist: Auf der rauen Alb gelten zwei vollständige Sätze als unerträglicher Wortschwall. Es lief oft nicht gut bei Keppler, aber was oder wer daran Schuld war, das behielt er sorgfältig für sich. Nur dass er die olympische Männer-Abfahrtsstrecke von 2010 verächtlich als „Frauenrennen“ ansah, das behielt er nicht für sich.

Seine Trainer haben ihm zuletzt sehr deutlich klar gemacht, was sie von diesem Verhalten halten. Die Frage war nur: Fruchtet die Kritik? Vorläufige Antwort: Sie fruchtet. Keppler raste gestern beim Super-G in Gröden sensationell auf Platz zwei. Seit 1991, seit Markus Wasmeier, stand kein deutscher Fahrer mehr nach einem Super-G auf dem Siegerpodest.

Bis jetzt ist diese Überraschung ein einmaliges Ereignis – auch weil die Bedingungen für Keppler besonders günstig waren. Aber es gibt Hoffnung, dass sich Keppler auf hohem Niveau stabilisiert, dass es neben Felix Neureuther zeitnah einen zweiten deutschen Skifahrer gibt, der Spitzenergebnisse erreichen kann.

Vielleicht hat ja eine kleine Erziehungsmaßnahme geholfen: Die kritischen Mails zu Stephan Keppler, die der Verband nach den Winterspielen erhalten hat, wurden einfach an den Skifahrer weitergeleitet.

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