Sport : Erfolg gebucht

Vier Verbände werden von Ostdeutschen geführt – Olaf Heukrodt soll nun die Kanuten auf Kurs halten

Ernst Podeswa

Berlin - Gut, dass sich Olaf Heukrodt umorientiert hat. Als der gebürtige Magdeburger 1992 seine erfolgreiche Karriere als Kanute – Olympiasieger, fünf olympische Medaillen, sieben Weltmeister-Titel (jeweils im Canadier) – mit 30 beendete, stand er kurz vor Abschluss seines Trainer-Studiums. Doch dann sah er im vereinten Deutschland das Überangebot von Fachkräften dieses Metiers und stieg auf die Ausbildung als Bankkaufmann um. Heute ist er in diesem Beruf erfolgreich in Berlin bei der Dresdner Bank. Und er ist seit diesem Jahr Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV). Der hat 112 000 Mitglieder in 1308 Vereinen und ist seit dem Mauerfall Erfolgsgarant Nummer eins der olympischen Sommersport-Verbände. In Athen wäre das deutsche Aufgebot ohne die Medaillenausbeute von Birgit Fischer und Co. statt auf dem sechsten auf dem 17. Rang gelandet. Bei seiner Wahl zum DKV-Präsidenten erhielt der 43-jährige Heukrodt die maximal möglichen 222 Stimmen.

Das Verblüffende neben dieser Zustimmungsquote („Das wird natürlich im Laufe des Amts nicht so bleiben“) – Heukrodt ist nicht den in Verbänden üblichen Weg des Hochdienens gegangen. Zwar hatte ihn das vereinte Nationale Olympische Komitee (NOK) wie andere Ostdeutsche als persönliches Mitglied integriert, ehe er dann 2002 in den Gutachterausschuss der Sporthilfe berufen wurde, doch die Ochsentour über Funktionen via Landesverband oder DKV-Kommissionen absolvierte er nicht. „Aber der Kontakt zum Verband ist nie abgerissen. Bei wichtigen Meisterschaften und Regatten war ich oft dabei.“ In den erwähnten Gremien aber hat Heukrodt, seit 1988 in Berlin, einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Und so hat ihn vor etwa einem Jahr Ulrich Feldhoff gefragt: „Olaf, du wärst der Richtige, willst du mein Nachfolger werden?“

Natürlich kam diese Frage nicht von ungefähr. Feldhoff, heute 67, hatte eine Fülle von Funktionen: Neben der nationalen Präsidentschaft ist er auch Chef des Kanu-Weltverbandes, Vize im Deutschen Sport-Bund, Vorsitzender des Bundesausschusses für Leistungssport zwischen DSB und NOK, NOK-Mitglied und, und… Feldhoff suchte nach 24 Jahren an der Spitze des DKV einen, der die Geschicke in seinem Sinne weiterführen sollte.

Im Jahr 16 nach dem Mauerfall ist zwar das oftmals noch Medaillen garantierende Erbe des DDR-Sports fast aufgebraucht, denkt man an die Abschiede von Franziska van Almsick, Heike Drechsler, Henry Maske, Jens Weißflog oder die sich dem Ende zuneigenden Karrieren von Birgit Fischer und Lars Riedel. Doch andererseits erfahren Kompetenz und Engagement von Fachleuten mit ostdeutscher Prägung nun eine andere Anerkennung. Gab es unmittelbar nach der Wende nicht einen Sportverband, der einen Ostdeutschen an der Spitze hatte, so sind es derzeit schon vier. Neben Heukrodt sind die Berliner Gerd Heinze (seit dem 1. Juni) und Reinhard Mirmseker (seit 2002) Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) und der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Thüringens Minister für Bau- und Verkehrswesen, Andreas Trautvetter, leitet seit Mai 2004 den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).

Von Heukrodt bis Heinze glich sich das Muster des Aufstiegs: Ohne Rückendeckung und Beförderung durch die alten (West-)Präsidenten wäre die Wahl der Ostdeutschen kaum möglich gewesen. Aber „dass es überhaupt möglich war, liegt daran, dass wir im Sport im Zusammenwachsen erfreulich vorangekommen und ideologische Schranken gefallen sind“, sagt Heukrodt. „Es spielt keine Rolle mehr, ob jemand aus dem Westen oder Osten kommt, sondern Kompetenz und Eignung entscheiden.“

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