• Erfolg in der Champions League hat nicht zuletzt auch einen finanziellen Aspekt für die Fußballvereine

Sport : Erfolg in der Champions League hat nicht zuletzt auch einen finanziellen Aspekt für die Fußballvereine

Klaus Rocca

Ingo Schiller, Herthas schwergewichtiger Geschäftsführer, blickte gestern Abend gut gelaunt über die prallvollen Ränge des Olympiastadions. Und in Vorfreude auf die Abrechnung an den Kassen rieb er sich schon mal die Hände. Wobei Schiller, der einst in Essen Betriebswirtschaftslehre studierte, natürlich genau weiß, dass die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern im Gegensatz zu früher nur noch einen kleinen Teil dessen ausmachen, was bei den Spielen ins Vereinssäckel fließt. Immerhin, bei den drei Heimspielen in der Champions League waren es insgesamt "drei bis vier Millionen Mark brutto" (Schiller). Um auf die Netto-Einnahme zu kommen, also nach Abzug der Kosten für Stadionmiete, Ordnungsdienst etc., muss man nach Angaben des 33-Jährigen eine siebenstellige Summe abziehen.

Natürlich ist die Champions League eine Goldgrube. Wer das ganz große Los zieht, also am Abend des 24. Mai nächsten Jahres als Sieger aus dem Finale hervorgeht, hat rund 90 Millionen Mark eingesackt. Und ist damit erst einmal saniert. Es sei denn, er heißt Real Madrid. Bei dem unglaublich verschuldeten Klub aus der spanischen Metropole könnte auch ein derartiger Geldregen nicht für schwarze Zahlen sorgen.

Herthas Bilanz nach den fünf Spielen der ersten Runde lässt sich sehen. Allein an Prämien hat sie über sieben Millionen Mark kassiert und kann diese Summe am 3. November in London noch erhöhen. Für den Einzug in die Champions League blätterte die Uefa schon 1,8 Millionen Mark hin. Pro Spiel gab es noch einmal 600 000 Mark, ebenso für jeden Sieg, für ein Unentschieden die Hälfte. Dieselben Prämien werden für die am 23. November beginnende Zwischenrunde ausgelobt. Wer ins Viertelfinale einzieht, darf zusätzlich 4,8 Millionen DM einstreichen, die Halbfinalisten werden mit weiteren sechs Millionen belohnt, der Verlierer des Endspiels darf sich mit 7,2 Millionen trösten, der Gewinner wird mit 12 Millionen honoriert.

Die große Unbekannte ist der Fernseh-Pool. "Da spielen nach einem komplizierten Modus so viele Dinge mit, dass man beim besten Willen keine Zahlen nennen kann", sagt Schiller. "Mehrere Millionen Mark" würden es aber auf alle Fälle sein. Möglicherweise ist es ein Betrag, der die Höhe der Prämien noch übersteigt.

Hertha schwimmt also im Geld? Mitnichten. "Wir sind", so Schiller, "noch immer in der Investitions-Phase. Da kann man nicht erwarten, dass wir das Geld anhäufen." Wer wie Berlins Bundesligist vor der Saison 19 Millionen Mark für die Verpflichtung von Spielern ausgegeben hat, um die Basis für die Teilnahme an der Champions League zu legen, schon gar nicht. Dafür mussten Bankkredite in Anspruch genommen werden, die es nun zurückzuzahlen gilt. Zahlen will Schiller, früher sieben Jahre bei Borussia Mönchengladbach tätig, nicht nennen. Auch nicht die Höhe der Verbindlichkeiten, die noch aus der Zeit vor seinem Amtsantritt am 1. Juni 1998 resultieren. "Jedes Wirtschaftsunternehmen hat Verbindlichkeiten", sagt Schiller. "Es macht dabei natürlich Sinn, auch die Wertobjekte entgegenzustellen." Auch die Subjekte. Am Ende der Saison laufen nicht weniger als zwölf Spielerverträge aus. Gingen sie alle, natürlich ohne Ablösesumme, würde das einen erheblichen Wertverlust bedeuten.

Dennoch - Schiller sieht Hertha "auf dem richtigen Pfad". Auch, weil "wir längst seriös arbeiten". Das war bekanntlich nicht immer so. Einst jonglierte man recht lässig mit den Millionen. So auch 1974, als Hertha nach der (höchst dubiosen) Umwandlung des Platzes am Gesundbrunnen in Bauland vom Senat 6,2 Millionen Mark hingeblättert bekam. Wenige Monate später war das viele Geld nicht mehr aufzuspüren.

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