Sport : Erfolg und Unmut

Hoffmann nicht mehr Handball-Bundestrainer

Hartmut Moheit

Berlin - Wer zum Abschluss der Handball-Europameisterschaft in Budapest Ekke Hoffmann richtig zugehört hatte, der konnte ahnen, dass er wohl seinen Abschied als Frauen-Nationaltrainer nehmen würde. Diesen Schritt vollzog der Lehrer aus Bad Urach nun zum Jahreswechsel. Nachdem sein Team in Ungarn vor zwei Wochen mit dem fünften Platz die direkte WM-Qualifikation verpasst hatte und danach Polen als Hürde vor dem Titelkampf 2005 vorgesetzt bekam, sagte der 61-jährige Trainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft: „Polen ist einer der hochkarätigsten Gegner. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort, dass wir stets schwere Kontrahenten zugelost bekommen. Der Handballgott ist sicher kein Deutscher.“

Aus Hoffmanns Worten klang schon ein wenig Resignation, obwohl er bei der EM „die Rückkehr der deutschen Handballerinnen in die Weltspitze“ registrieren konnte. Damit hatte er eine wichtige Mission erfüllt. „Als ich vor über drei Jahren das Bundestrainer-Amt zum dritten Mal angetreten habe, war mein einziges Motiv, den Frauenhandball aus der Drittklassigkeit wieder in die Weltspitze zurück zu führen. Dies ist mit der spielerischen Leistung und dem Ergebnis der EM 2004 gelungen, und damit ist meine Aufgabe erfüllt“, erklärte Hoffmann und lehnte damit ein Vertragsangebot von DHB-Präsident Ulrich Strombach ab. Bis zu Olympia 2008 in China wollte Hoffmann nicht mehr als Trainer arbeiten. Als Nachfolger sind der ehemalige Bundestrainer Leszek Krowicki sowie die beiden früheren Bundesligatrainer Maik Nowak und Dietmar Rösicke im Gespräch.

Nach der EM hatten Spielführerin Heike Schmidt, Kreisläuferin Kathrin Blacha, Abwehrspezialistin Nikola Pietzsch und Routinier Milica Danilovic als Leistungsträgerinnen ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Ein Umstand, der Hoffmann bei seiner Entscheidungsfindung beeinflusst haben dürfte.

Nach der verpassten WM-Qualifikation 2001 und dem daraus resultierenden Absturz in die Bedeutungslosigkeit übernahm er zum dritten Mal das Traineramt, nachdem er die DHB-Auswahl bereits zwischen 1983 und 1988 sowie zwischen 1995 und 1999 betreut hatte. Der größte Erfolg von Hoffmann war der Gewinn der Bronzemedaille bei der WM 1997 in Deutschland. Zuletzt hatte Hoffmann seinen Unmut über die Bedingungen geäußert, unter denen er im Deutschen Handball-Bund arbeiten müsse. „Ich beneide Heiner Brand“, sagte er und verwies damit auf die Top-Stellung des Männer-Nationalteams.

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