Sport : Erfolgreich ist gut

Stefan Hermanns

Der große deutsche Alltagsphilosoph Otto Rehhagel hat sich schon beizeiten zum Methusalem-Komplott geäußert. Es gebe keine jungen oder alten Spieler, hat er gesagt, es gebe nur gute oder schlechte. Analog dazu und aus gegebenem Anlass könnte man sagen: Es gibt keine guten oder schlechten Trainer, es gibt nur erfolgreiche und erfolglose; gut sind die, die erfolgreich sind. Ganz egal, ob ein Trainer ein überragendes Training gestaltet, einen Draht zu seinen Spielern hat, moderne Ansichten vom Spiel besitzt, den Nachwuchs fördert – er sollte einfach gewinnen.

Otto R. zählt demnach zur Kategorie der guten Trainer. Es ist nicht entscheidend, wie er mit Griechenland Europameister geworden ist; entscheidend ist, dass er mit Griechenland Europameister geworden ist. Und über seine Methoden hat man sowieso immer schon streiten können. Als er 1988 mit Bremen Meister wurde, hatte Werder den Titel schon drei Spiele vor Saisonende sicher. Alle Welt rechnete damit, dass Rehhagel Ersatztorhüter Dieter Burdenski zum Abschluss seiner Karriere noch einmal einen Einsatz schenken würde. Tat er aber nicht.

Für Fußballfans mit ihrem Hang zum Kitsch kommt ein solches Verhalten schon fast einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Aber Trainer ticken anders. Meistens jedenfalls. Holger Fach hat als Trainer von Borussia Mönchengladbach 2004 im letzten, bedeutungslosen Saisonspiel, dem letzten auf dem Bökelberg überhaupt, zehn Minuten vor Schluss seinen Torwarttrainer Uwe Kamps eingewechselt. Kamps hatte sechs Jahre zuvor sein letztes Bundesligaspiel bestritten. Das Volk war sichtlich ergriffen. Und was hat es Fach gebracht? Er trainiert jetzt den SC Paderborn.

An dieser Stelle wechseln sich Philipp Köster und ab.

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