Sport : Erfolgreich ohne Spielmacher

Der Hamburger SV siegt 3:1 beim FC Zürich - Rafael van der Vaart scheidet verletzt aus

Stefan Hermanns[Zürich]

Die Anhänger des Hamburger Sportvereins hatten sich zur Feier des Tages etwas ganz Besonderes für ihre Angebetete ausgedacht. Rote Lufballonherzen schwenkten sie in der Nordkurve des Züricher Letzigrundstadions, dazu übermittelten sie einen schriftlichen Valentinsgruß: „Mein HSV, ich liebe dich.“ Die Liebe muss wirklich unendlich groß sein, sonst hätte das Publikum die zunächst sehr dürftige Darbietung im Hinspiel des Uefa-Cup-Sechzehntelfinales beim FC Zürich nicht so ergeben ertragen. Eine Halbzeit lang passierte im Letzigrundstadion fast gar nichts, am Ende aber freuten sich die Fans des deutschen Fußball-Bundesligisten HSV über einen weiteren Liebesbeweis ihres Klubs. Durch Tore von Jarolim, Olic und Trochowski besiegten die Hamburger den Schweizer Meister vor 16 800 Zuschauern 3:1 (0:0).

Zunächst aber erstarrte das Geschehen auf dem Platz in taktischen Fesseln. Beide Mannschaften versteiften sich auf defensive Kontrolle und neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld. Die Zurückhaltung der Züricher war durchaus verständlich. Im letzten Spiel der Uefa-Cup-Gruppenphase hatten sie zu Hause 0:5 gegen Bayer Leverkusen verloren. Ein solches Debakel gegen einen deutschen Bundesligisten wollten die Schweizer diesmal unter allen Umständen vermeiden. Trotzdem hatte der HSV die erste Gelegenheit. Yassine Chikhaoui verlor im Mittelkreis den Ball, Rafael van der Vaart erfasste die Situation am schnellsten, schoss sofort aufs Tor, doch Johnny Leoni bekam den Ball im Zurücklaufen gerade noch vor der Linie zu packen.

Der Tunesier Chikhaoui will in der neuen Saison am liebsten in Deutschland spielen; doch gegen den Hamburger SV konnte er sich nicht für einen Wechsel in die Bundesliga empfehlen, zumal ihm Vereine der Kategorie Bayern oder Bremen als neuer Arbeitgeber vorschweben. Von den außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten des Tunesiers war wenig zu sehen, eine Viertelstunde vor Schluss wurde er sogar ausgewechselt. Auch beim HSV ist der offensive Mittelfeldspieler als Nachfolger für Rafael van der Vaart im Gespräch. Möglicherweise denken die Hamburger nach dem gestrigen Spiel noch einmal neu über diese Personalie nach.

Mit dem Holländer van der Vaart kann sich Chikhaoui nicht messen. Zürichs Trainer Bernard Challandes hatte den Holländer vor der Begegnung sogar als „einen der besten Spieler der Welt“ bezeichnet; das Vergnügen, ihn spielen zu sehen, endete für das Züricher Publikum gestern aber bereits nach einer halben Stunde. Nach einem Foul von Rochat hatte sich van der Vaart noch zehn Minuten über das Feld geschleppt, dann musste der Holländer wegen einer Verletzung am rechten Sprunggelenk seinen Platz für Paolo Guerrero räumen.

Überraschenderweise wurde der Hamburger SV erst nach dem Ausfall seines kreativsten Spielers wirklich gefährlich. Piotr Trochowski scheiterte mit einem Freistoß an Zürichs Torhüter Leoni. Kurz darauf, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, kamen die Hamburger zu ihrer ersten Chance aus dem Spiel heraus: Demel flankte von der rechten Seite, Trochowski nahm den Ball direkt aus der Drehung, scheiterte aber erneut an Leoni.

Die Hamburger konnten in den entscheidenden Momenten zulegen, der FC Zürich dagegen nicht. Gleich mit dem ersten Angriff der zweiten Hälfte erzielten sie das 1:0. Vorausgegangen war dem Treffer eine schöne, schnelle und zielstrebige Kombination über Ivica Olic und Paolo Guerrero, der im richtigen Moment auf David Jarolim ablegte. Der eingewechselte Guerrero bereitete auch das zweite Tor vor. Sein Zuspiel von der rechten Seite verwertete Olic zum 2:0. Den dritten Treffer steuerte Piotr Trochowski mit einem Freistoß aus mehr als 30 Metern bei. Die Hamburger kassierten zwar kurz vor Schluss nach einem Patzer von HSV-Torwart Frank Rost in der Schlussphase noch das 1:3 – bei Rochats Schuss soll der Ball hinter der Linie gewesen sein.

Das Hamburger Weiterkommen in die nächste Runde wird das aber wohl auch nicht mehr verhindern. Im Achtelfinale müssen die Hamburger dann entweder gegen Bayer Leverkusen oder Galatasaray Istanbul antreten.

Werder-Torwart Wiese hält doppelt besser: www.tagesspiegel.de/sport

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