Sport : Erfolgreiche Schocktherapie

Klaus Wegener

Frank Rost hat keine Skrupel davor, sich bei seinen Teamgefährten unbeliebt zumachen. Entscheidend ist der Erfolg, und um den zu erreichen, wählt der Torhüter des SV Werder Bremen auch schon mal harte Worte. Nach dem Pokal-Aus unter der Woche in Uerdingen kritisierte er Stürmer Ailton: "Einige stehen nur auf dem Platz herum und haben nicht die richtige Einstellung." Vor dem Topspiel gegen Bayer Leverkusen ließ Rost im Weserstadion sein aktuelles Lieblingslied spielen: "Krieg". Von Marius Müller-Westernhagen, "weil ich den Song gut finde. Und weil ich die Stimmung anheizen wollte." Rosts Schocktherapie half: Der SV Werder siegte 2:1 und fügte Spitzenreiter Leverkusen die erste Saison-Niederlage zu.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Glücklicherweise ist Westernhagens Song nichts für Fronthelden, der Titel klingt martialischer, als es der Inhalt letztlich ist. Und eine halbe Stunde lang schien es, als würde Rosts Wunschsong nicht die gewünschte Wirkung erzielen. "Die ersten 30 Minuten hat meine Mannschaft verschlafen", sagte Werders Trainer Thomas Schaaf. Das nutzte Leverkusen zum Führungstor durch Bernd Schneider. Der Nationalspieler hatte nach einem Zuspiel von Michael Ballack alle Zeit der Welt zur Vollendung.

Es war nicht die einzige Szene, mit der Schneider an diesem Nachmittag auffiel. Schon im Gegenzug dilettierte er im eigenen Strafraum gegen Viktor Skripnik. Der Ukrainer, der beim WM-Qualifikationsspiel das Duell mit Schneider klar verloren hatte, bediente Marco Bode, und der erzielte den Ausgleich. Schaaf hatte Skripnik im Vier-Augen-Gespräch auf Schneider eingeschworen: "Er wusste, dass er heute die Chance zur persönlichen Rehabilitation hatte." Chance genutzt, sagte Schaaf: "Ich bin froh, dass er seinen Gegenspieler heute vernascht hat." Schneiders Leistung war symbolisch für das ganze Team des Tabellenführers. Viel gerannt, viel gekämpft, Chancen herausgespielt, aber letzlich war Bremen die glücklichere Mannschaft.

Dem Bremer Siegtor ging folgerichtig ein umstrittener Freistoß voraus. Krisztian Lisztes hob den Ball in den Strafraum, wo Frank Verlaat per Kopf traf. "Werder hat gut gespielt, aber auch den Schiedsrichter auf seiner Seite gehabt", schimpfte Bayers Manager Reiner Calmund. Schiedsrichter Kessler zeigte sieben Leverkusenern die Gelbe Karte, Leverkusens Kapitän Jens Nowotny sah nach einem Foul an Ailton sogar Rot, was wiederum Bayers Trainer Klaus Toppmöller mächtig ärgerte: "Ailton hat doch förmlich darum gebettelt, dass er im richtigen Moment fällt. Jens hat ihm dazu die passenden Worte gesagt." Geändert hat es freilich nichts mehr. Für Werder Bremen war es der dritte Sieg gegen ein Topteam. "Gegen Bayern gewonnen, in Schalke gewonnen, jetzt gegen Leverkusen - wir können mit den Großen mithalten", sagte Schaaf.

Doppelten Grund zur Freude hatte sein Mannschaftskapitän. Marco Bodes vierter Saisontreffer war nicht nur ein sehr wichtiger, er bescherte ihm auch einen Eintrag im großen Werder-Almanach. Vor einer Woche war Bode mit seinem Treffer beim 4:1 in Schalke mit den erfolgreichsten Bremer Torschützen Rudi Völler und Frank Neubarth (beide 97 Tore) gleichgezogen. Seit Samstag ist er mit 98 Treffern alleiniger Rekordhalter.

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