Erfolgreicher Auftakt : Mainz schafft gegen Leverkusen noch ein 2:2

Das Unentschieden gegen das neue Team von Jupp Heynckes ist ein guter Einstand für den Mainzer Trainer Thomas Tuchel, der ebenfalls neu ist. Bis zehn Minuten vor dem Ende lag der Aufsteiger noch zurück.

Uwe Martin[Mainz]
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Premiere für Mainz. Andreas Ivanschitz (l.) bestritt sein erstes Bundesligaspiel. Foto: dpadpa

Rudi Völler hatte fast nur ein Thema. Die Erregung des Sportchefs war aus Sicht des leitenden Angestellten von Bayer Leverkusen nachvollziehbar, ärgerte er sich doch genau über jene Szene, die seinen Klub zum Saisonstart der Fußball-Bundesliga zwei Punkte kostete: der Zweikampf zwischen dem Mainzer Stürmer Aristide Bancé und Sami Hyypiä – dem 35-jährigen Haudegen aus Finnland mit zehn Jahren Erfahrung in der Premier League – zehn Minuten vor Ende der Partie. Völler fühlte sich übervorteilt, wörtlich sagte er „beschissen“, durch den Pfiff von Schiedsrichter Deniz Aytekin und den Freistoß für Mainz 05. Daniel Gunkel nahm Maß und sorgte aus etwa 20 Metern Entfernung für den 2:2-Endstand. Spätes Glück für die Mainzer Aufsteiger, die bei ihrer Rückkehr in die erste Liga nach 812 Tagen Abstinenz bereits nach fünf Minuten durch den Kopfball von Tim Hoogland in Führung gingen, jedoch noch vor der Pause durch Eren Derdiyok und Stefan Kießling in Rückstand gerieten.

Da dachten wohl viele der 20 000 Zuschauer im Bruchwegstadion, dass es in diesem Stil weitergehen und sich die individuelle Überlegenheit der Leverkusener durchsetzen würde gegen die kollektive Leidenschaft von Mainz 05. „Wir haben es nicht verstanden, die spielerische Überlegenheit in mehr Tore umzumünzen“, sagte Trainer Jupp Heynckes. Und irgendwie sei auch der von Tranquilo Barnetta nach einer Viertelstunde verschossene Foulelfmeter „ein Knackpunkt gewesen“. Und der Freistoßpfiff? Zweifelhaft sei der schon gewesen, urteilte Heynckes altersmilde, „aber darüber zu lamentieren, hilft nicht weiter“. Hyypiä beantwortete dementsprechende Fragen geschickt: „Es war ein guter Freistoß.“ Damit war das Thema für ihn erledigt.

Völler aber redete sich weiter seinen Unmut von der Seele, letztlich war Bancé sogar „drei Meter groß“. Was ganz sicher genau so eine Sensation wäre wie das 2:2 für den neuen Mainzer Trainer Thomas Tuchel. Der 35-Jährige hatte am vergangenen Montag den Aufstiegscoach Jörn Andersen abgelöst, und dass sich die Mainzer Profis bei seinem Debüt mit „Herz und Leidenschaft“ (Tuchel) sowie extrem laufbereit präsentierten, verdeutlicht, wie gelungen der Neustart geriet. „Thomas hat seine Sache gut gemacht“, sagte Heynckes. Und dieses Kompliment meinte der 64-Jährige durchaus ernst.

Bei den Mainzer Fans jedenfalls kam das Remis wie ein Sieg an, sie forderten Torwart Heinz Müller auf den Zaun. Nach der Verletzung von Dimo Wache (Patellasehnenanriss) war der 31-jährige Neuzugang vom FC Barnsley zur Nummer 1 aufgerückt. Er überzeugte am Samstag mit dem gehaltenen Elfmeter und einem weiteren halben Dutzend erfolgreicher Paraden. „Wir haben noch Luft nach oben“, befand Tuchel. Dieser Aussage dürfte sich selbst Völler vorbehaltlos anschließen.

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