Sport : Ergebnisse statt Experimente

Die Eishockey-Nationalmannschaft spielt in der Vorbereitung defensiver als zuvor – und erfolgreicher

Claus Vetter

Berlin - Greg Poss ist ein Trainer, der gern experimentiert. Allerdings ist der US-Amerikaner auch ein Trainer, der das Experimentieren lässt, wenn ihm kein Erfolg beschieden ist – wie in den ersten Spielen von Poss als Coach der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Nach dem im Oktober vergangenen Jahres vollzogenem Amtsantritt spielten die Deutschen gegen gute Gegner wie die USA oder die Slowakei zwar erstaunlich offensiv und druckvoll, verloren aber jedes Mal klar. Sieben Niederlagen in Folge gab es unter Poss, bevor im Februar in Budapest einer zittriger 3:2-Sieg gegen die zweitklassigen Ungarn heraussprang.

Spätestens da hatte Poss wohl gemerkt, dass sich sein Team mit einem äußerst offensiv ausgerichteten System schwer tut. Die Niederlagen waren zwar, wie er sagte, „Nebensache“, aber trotzdem: „Ich bin natürlich ein Trainer, der sich auch mal über einen Sieg freut.“ Den gab es nun vor wenigen Tagen gegen Schweden. Dem 2:0 in Riesa ließen die Deutschen zwei Tage später eine achtbare 2:3-Niederlage gegen den WM-Zweiten folgen. Am Donnerstag spielten sie nun 1:1 in Weißrussland (heute wieder Gegner der Deutschen). Bereits nach drei von acht Vorbereitungsspielen vor der Weltmeisterschaft in Wien (Beginn 30. April) stellt Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), fest: „Wir sind schon weiter, als ich geglaubt haben. Es ist Leben drin.“

Wohl auch, wie Poss sagt, „weil die Zeit der Experimente vorbei ist“. Die Deutschen haben in den jüngsten drei Spielen defensiver agiert als zuvor, was sich in der niedrigen Quote an Gegentoren niederschlug. Soweit es das Spielsystem anbetrifft, experimentiert Poss also nicht mehr, was sein Personal angeht dagegen schon: Schließlich muss er derzeit noch auf die im Finale um die deutsche Meisterschaft beschäftigten Akteure der Berliner Eisbären und der Mannheimer Adler verzichten. Zudem werden die drei bei den Cleveland Barons in der American Hockey-League (AHL) spielenden deutschen Profis – Torhüter Dimitri Pätzold, Verteidiger Christian Ehrhoff und Stürmer Marcel Goc – erst in den Testspielen in Kaufbeuren (21. April) und Ravensburg (23. April) gegen Lettland zum Kader stoßen. Erst in den letzten Vorbereitungsspielen in München (26. April) und Rosenheim (28. April) gegen die USA stehen dann auch die Spieler der Finalteilnehmer aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zur Verfügung. Auf einen Stürmer baut Poss dabei besonders: Jochen Hecht, zurzeit erfolgreichster Scorer in den Play-offs der DEL und laut Poss „bester Spieler der gesamten Liga“. Auf zwei andere Stars aus der DEL muss Poss allerdings bei der WM verzichten: Auf den verletzten Torhüter Olaf Kölzig (Eisbären) und auf Stürmer Marco Sturm (Ingolstadt), der am Sprunggelenk operiert wird.

Trotz des Fehlens von Kölzig, Sturm und dem aus dem Nationalteam zurückgetretenem Kölner Verteidiger Mirko Lüdeman, die Nationalmannschaft wird in Wien nicht schlechter besetzt sein als vergangenes Jahr bei der WM in Prag, wo sie in der Zwischenrunde scheiterte. Zumindest diese Runde will Poss in jedem Fall erreichen, wozu ein Sieg im ersten Spiel gegen Kasachstan am 1. Mai schon reichen sollte. Der Bundestrainer weiß, dass er daran gemessen wird, denn bei einer Niederlage gegen die Kasachen droht der Gang in die Abstiegsrunde. „Das Spiel müssen wir gewinnen“, sagt Poss. „Gute Ergebnisse aus der Vorbereitung interessieren dann keinen mehr.“

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