Sport : Erhellende Seitenansicht

Lutz Michael Fröhlich

Bei der Halbzeit-Tagung der Bundesliga-Schiedsrichter wurden die Unparteiischen aufgefordert, mehr Mut zum Elfmeterpfiff zu zeigen. Es gab am ersten Rückrunden-Spieltag drei Elfmeter. Haben sich die Schiedsrichter an die Vorgaben gehalten, Herr Fröhlich?

Es lief alles korrekt ab. Der Strafstoß beim Spiel Hertha BSC - VfL Wolfsburg zum Beispiel war unumstritten. Der Wolfsburger Hofland hatte dem Berliner Gimenez ein Bein gestellt, so ein Foul wäre auch in der Hinrunde selbstverständlich mit Elfmeter bestraft worden. Es gab eine umstrittene Situation in Nürnberg, als beim Spiel gegen Stuttgart ein Nürnberger zu Fall gekommen ist. Auch nach mehreren Wiederholungen im Fernsehen ließ sich nicht auflösen, ob ein Foul vorgefallen war. Schiedrichter Fandel hatte auf Weiterspielen entschieden, weil sich auch aus seiner Sicht nicht zweifelsfrei ein Foul hatte feststellen lassen. Und sobald ein Unparteiischer Zweifel hat, wird er nicht auf Strafstoß entscheiden, daran wird sich nichts ändern.

Im Fall Fandel war aber etwas anderes viel entscheidener. Man hat genau gesehen, dass er ein gutes Stellungsspiel hatte und deshalb die Situation gut erkennen konnte. Denn bei unserer Tagung ging es vor allem um das Stellungsspiel der Schiedsrichter im Strafraum. Dort sind noch Verbesserungen möglich. Schiedsrichter sollen mehr darauf achten, dass sie möglichst immer eine Seitenansicht zu den Situationen haben. Wenn zum Beispiel zwei Spieler hochspringen und einer drückt dem anderen die Faust in den Rücken und schiebt ihn weg, dann sieht man das von hinten nicht. Wenn ein Schiedsrichter eine möglichst optimale Sicht hat, dann kann er besser urteilen. Und dann werden möglicherweise auch mehr Elfmeter gepfiffen, einfach weil ein Schiedsrichter dann weniger Zweifel als früher hat.

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