Sport : Erhöhte Temperatur

Schalke 04 freut sich auf das Spiel in Eindhoven

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Als Ralf Rangnick vor einigen Jahren beim SSV Ulm arbeitete, ahnten manche Fachleute schon, wohin sein Weg führen würde: nach oben, sogar sehr weit nach oben. Der bis dahin unbekannte Dozent hatte Ulm von der dritten in die zweite Liga geführt, sein Wissen und sein Auftreten verschafften dem jungen Trainer alsbald den Ruf eines Fußball-Professors. Beim VfB Stuttgart und bei Hannover 96 lernte Rangnick den Umgang mit schwierigen Charakteren wie Balakow oder Krupnikovic hinzu. Inzwischen lässt der 47 Jahre alte Taktiker in einer Liga spielen, die zumindest seinem Intellekt angemessen erscheint. Heute Abend (20.45 Uhr, live bei Premiere) steigt er mit dem FC Schalke 04 beim niederländischen Meister PSV Eindhoven in die Champions League ein. Rangnick ist am Ziel.

„Man spürt, wie bis zum Anpfiff die Temperatur steigt. Wir freuen uns auf diese riesengroße Herausforderung. Das wird Gänsehaut-Atmosphäre. Wir haben ein ganzes Jahr lang darauf hingearbeitet, dort mitspielen zu dürfen“, sagt Rangnick. Seine Mannschaft werde „nur mit Spitzenleistungen die Gruppe überstehen, Durchschnitt reicht nicht“. Mehr als gehobenen Durchschnitt hat sein Personal an den ersten vier Spieltagen der Bundesliga indes nicht geboten. Nach dürftigen Leistungen wie zuletzt bei den Unentschieden gegen Mönchengladbach und in Leverkusen blieb Rangnick gelassen, einschüchtern lässt er sich nicht. Obwohl er Schalke in der vergangenen Saison als Nachfolger des berühmten Jupp Heynckes aus der Abstiegszone auf den zweiten Tabellenplatz führte, ist Rangnick auf Schalke längst nicht so beliebt wie etwa Huub Stevens, der die Mannschaft vor vier Jahren als erster Trainer in die Champions League geführt hatte.

Aber: Rangnick wird in Schalke zumindest respektiert. In Taktikfragen eilt ihm der Ruf des Pedanten voraus. Selbst im Sekretariat der Geschäftsstelle kommt zuweilen Unmut über seinen Perfektionismus auf. Eine couragierte Sekretärin soll Rangnick schon mal in die Schranken gewiesen haben: Er sei ungefähr der zwanzigste Trainer, den sie in diesem Verein kennengelernt habe, und sie werde auch den einundzwanzigsten erleben, aber das Buchen von Flügen und Hotels möge Rangnick doch bitte der Verwaltung überlassen, raunzte die Frau den Trainer an.

Auch Rudi Assauer zeigt sich irritiert, wenn der Trainer sich in administrativem Kleinkram verheddert. Der Manager empfahl ihm schon mal, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auch in bedeutenderen Fragen liegen die beiden Herren, die vermutlich nie Männerfreunde werden, auseinander. Während Rangnick den Gewinn des nationalen Titels als Ziel nennt, sagt Assauer, er wolle gar nicht unbedingt Meister werden, die erneute Teilnahme an der Champions League sei das Ziel. In diesem Wettbewerb sind die Westfalen vor vier Jahren bei ihrer Premiere kläglich gescheitert – als Gruppenletzter hinter Panathinaikos Athen, Arsenal London und Real Mallorca. Diesen Misserfolg schreibt Assauer den Terroranschlägen des 11. September 2001 zu. An jenem Tag mussten die Schalker ihr erstes Spiel in der Champions League bestreiten.

Ginge es nach Ralf Rangnick, wäre Schalkes aktuelle Elf noch stärker besetzt, als die Finanzen es zulassen. Schalkes Finanzvorstand Josef Schnusenberg kommentierte das unlängst launig: „Wenn wir alle Spieler holen, die der Trainer haben will, ist die Mannschaft so stark, dass sie keinen Trainer mehr braucht.“

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