Sport : Erholung im Ruhrgebiet

Huub Stevens sucht Zerstreuung beim Benefizspiel mit dem Allstar-Team der Bundesliga

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Als Hertha-Trainer hatte Huub Stevens zuletzt wenig zu lachen. Am Montag zeigte sich der niederländische Fußball-Lehrer dennoch gut aufgelegt. Stevens unternahm einen Kurztrip nach Gelsenkirchen, wo er knapp sechs Jahre für Schalke 04 gearbeitet hatte. Vielleicht erfrischt durch die Luft im Ruhrgebiet verkündete er, dass er für einen guten Zweck einen Nebenjob angenommen habe. Stevens ist zum Teamchef der „Internationalen Bundesliga-Allstars“ gewählt worden, die am 16. Dezember in Gelsenkirchen zugunsten der Flutopfer dieses Sommers gegen die deutsche Nationalelf antreten. „Das wird kein Juxspiel“, sagte er. „Ich will nicht verlieren, auch wenn ich das in letzter Zeit ein wenig zu oft getan habe.“

Trainer und Spieler der Allstars wurden von Fußballfans in einer Telefonabstimmung nominiert. Mit 75 Prozent der Stimmen setzte sich Stevens klar gegen die drei anderen ausländischen Bundesligatrainer Kurt Jara (Hamburg), Peter Pacult (TSV 1860 München) und Eric Gerets (1. FC Kaiserslautern) durch. In der Arena Auf Schalke, die Austragungsort des Spiels sein wird, traf Stevens am Montag seinen früheren Vorgesetzten und Förderer Rudi Assauer wieder. Die hohe Beliebtheit des Fußball-Lehrers habe mit Schalke 04 zu tun, behauptete der Manager dieses Klubs. „Wir haben ihn berühmt gemacht, er ist ein guter Mann, aber jetzt beim falschen Verein.“ Stevens konterte die Stichelei mit einem feinen Lächeln. „Ich habe gewusst, dass so etwas kommt.“ Rechnen konnte er angesichts der Konkurrenten auch mit seiner Wahl, ein so klares Votum habe er jedoch nicht erwartet. Umso mehr freue er sich auf die Aufgabe. „Es macht bestimmt Spaß, einen solchen Kader zu betreuen.“

Zum Kapitän ernannte Stevens Giovane Elber. Der brasilianische Mittelstürmer des FC Bayern München hatte bei der Wahl die meisten Stimmen aller Kandidaten bekommen. Auch das Trikot mit der Nummer zehn hat Stevens vergeben – an Krassimir Balakow, den Regisseur des VfB Stuttgart. Auch die Mittelfeldstrategen Marcelinho (Hertha) und Rosicky (Dortmund) hätten die Zehn verdient gehabt, sagte Stevens. Balakow spiele jedoch länger in der Bundesliga als die anderen beiden und habe „die älteren Rechte“. Neben Marcelinho steht Torhüter Gabor Kiraly als zweiter Hertha-Profi im Aufgebot der Allstars. Rudi Völler, der Teamchef der Nationalelf, will mit der Bekanntgabe seines Aufgebots warten. Stevens sagte, das sei ein Zeichen von Nervosität. „Wenn Rudi die Namen liest, die auf meinem Zettel stehen, glaube ich schon, dass er ein bisschen unruhig wird.“

Während die Beteiligten ihre Vorfreude zur Schau trugen, haben die Fans sich bisher zurückgehalten. Zwei Wochen vor dem Benefizspiel sind erst rund 15 000 Karten verkauft. Assauer, der die Idee zu diesem Spiel hatte, ist damit nicht zufrieden. Er kritisierte den Deutschen Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga. Das anfängliche Kompetenzgerangel habe zu viel Zeit gekostet. Deshalb sei der Abstand zwischen dem Hochwasser und dem Beginn des Vorverkaufs zu groß. Assauer schlug vor, künftig vor jeder Saison ein solches Spiel zu veranstalten, um für soziale Einrichtungen Geld zu erlösen.

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