Eric Walther : Die letzten fünf Kämpfe

Der Pentathlet Eric Walther wird bei zwei Wettkämpfen in Berlin seine erfolgreiche Karriere beenden.

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Berlin - Zweimal Berlin zum Abschied. So stellt sich Eric Walther das vor. Der bislang einzige deutsche Weltmeister im Modernen Fünfkampf plant eine zweiteilige Abschiedstour durch seine Heimatstadt. Teil eins: der hochkarätig besetzte Weltcup an diesem Wochenende; Teil zwei: die deutsche Meisterschaft Ende des Monats. Dann soll es das gewesen sein. Eric Walther, 35 Jahre alt, beendet nach mehr als 20 Jahren seine sportliche Karriere als Pentathlet.

Oder kommt da doch noch etwas? „Voraussichtlich“ sei dann Schluss, sagt Eric Walther. So ganz scheint er sich doch noch nicht trennen zu können von dieser Sportart, bestehend aus den fünf Disziplinen Schießen, Schwimmen, Fechten, Reiten und Laufen – jener Sportart, die der Gründer der modernen olympischen Bewegung Pierre de Coubertin selbst erfand. Immerhin sorgte Walther 2009 mit Platz vier für das beste deutsche Resultat der Heim-EM in Leipzig. Und Olympia 2012 in London ist auch nicht mehr weit weg. Mit dem weltweit größten und wichtigsten Sportereignis verknüpfen sich für den Fünfkämpfer, gelinde gesagt, gemischte Gefühle. „Ich habe eine Menge erreicht und große Erfolge gehabt, ich bin alles in allem der erfolgreichste Athlet des Verbandes. Was fehlt, ist eine olympische Medaille“, sagt Walther. 2000 in Sydney und acht Jahre später in Peking kam er auf Rang 16, 2004 in Athen wurde er Siebter. Zumindest Mitfavorit war er jedes Mal. Doch irgendetwas passte jedes Mal nicht. Mal war es das Schießen, mal das Fechten, in Peking schließlich das Reiten, weil die Organisatoren nicht genügend olympiawürdige Pferde zur Verfügung hatten und so die Auslosung ein Glücksspiel mit anschließender Enttäuschung wurde. „Bis dahin lag ich auf Medaillenkurs, dann hatte sich das Ganze erledigt.“

Der ehrgeizige Walther ärgerte sich maßlos, „denn so viele Chancen kriegst du im reifen Sportleralter nicht mehr“. Am Ende war das wohl der Anlass, dass er noch eine Weile weitermachte. Noch einen olympischen Versuch wird es wohl dennoch nicht geben. Denn Walther sagt ebenso bestimmt: „Den inzwischen im Spitzensport üblichen Rücktritt vom Rücktritt mit folgendem großen Comeback wird es bei mir nicht geben.“ Etwas Unzufriedenheit bleibt dennoch. „Von der fehlenden Olympiamedaille war schon die Rede. Ich hab’s dreimal versucht, es sollte nicht sein“, sagt er. Insgesamt aber zeigt er sich zufrieden. „Ich kann vor meine Karriere ein dickes Plus setzen. Es gab viele große Herausforderungen, und ich habe sie oft oder sogar meist bestanden.“

Als Eric Walther vor 23 Jahren mit dem Modernen Fünfkampf begann, galt er keineswegs als ausgemachtes Talent. „Er hatte ein Vollmondgesicht und einen kleinen Pummelbauch“, sagte Berlins langjähriger Landestrainer Rudi Trost einst über den kleinen Fünfkampf-Anfänger. Dass solche Voraussetzungen nicht zwangsläufig dem Aufstieg zu einem Spitzenathleten im Wege stehen müssen, zeigt das, was folgte. 2002 wurde Walther WM-Dritter, 2003 setzte er im italienischen Pesaro in einem grandiosen Wettkampf als Champion noch einen drauf. Er sammelte Weltcup-Siege, war mehrfach Weltranglistenerster. „Mir fiel nichts in den Schoß, ich musste mir das meiste hart erarbeiten.“ Als Beispiel nennt er das Schwimmen. „Beim dreimonatigen Fünfkampf-Schnupperkurs als 12-Jähriger bin ich fast ertrunken. Jetzt ist das meine beste Disziplin.“

Nun freut sich Eric Walther auf den neuen Lebensabschnitt. 2009 heiratete er und schloss zudem sein BWL-Studium ab. Der frühere Sportsoldat hat bereits in Spandau eine Stelle im Vertrieb. Er sorgte dafür, dass der Pentathlon Weltcup diesmal besser vermarktet wurde. In dieser Art will er auch in Zukunft seiner Sportart verbunden bleiben. „Man muss wissen, wo man hingehört. Und ich gehöre eben in die Pentathlon-Familie.“

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