Sport : Erlaubtes Zeitspiel

Union zögert die Vertragsverhandlung mit Wassilew hinaus

NAME

Von Karsten Doneck

Berlin. Andere Länder, andere Verhandlungen. In Bulgarien werde über die Vertragsverlängerung eines Fußball-Trainers nicht lange debattiert, sagt Georgi Wassilew, da werde kurz verhandelt und dann ein Schriftstück aufgesetzt – oder auch nicht. Die deutsche Gründlichkeit in diesen Dingen, verbunden mit einer gewissen Langatmigkeit, ist für Wassilew gewöhnungsbedürftig. „Da steht wochenlang vorher in den Zeitungen, mit welchen Nachfolgern verhandelt wird“, sagt der Trainer des Zweitligisten 1. FC Union verwundert. Bald blüht auch ihm wieder dieses Prozedere. Im vierten Jahr arbeitet er beim 1. FC Union, mit dem er heute um 15 Uhr beim SC Freiburg antritt. Sein Vertrag endet im nächsten Sommer. Was dann?

Wassilew zuckt ratlos mit den Schultern. Er würde die Arbeit bei Union gerne fortsetzen. Die Leistungsbilanz eines Trainers ist einfach ablesbar: an der Tabelle. Auf das, was er bei Union erreicht hat, kann Wassilew durchaus stolz sein. Im ersten Jahr verpasste die Elf nur unglücklich den Aufstieg in die Zweite Liga, im zweiten Jahr bescherte er dem Verein bereits Erfolge in historischer Dimension: Aufstieg, DFB-Pokalfinale gegen Schalke 04 und die Teilnahme am Uefa-Cup. Und zuletzt hat er Union als Aufsteiger ins obere Drittel der Zweiten Liga geführt. Wassilew hat sich stattliche Verdienste um den Verein erworben.

So einen lässt man doch nicht einfach gehen. Oder doch? Wassilew vertritt die Ansicht, dass sich über solche Fragen andere den Kopf zerbrechen mögen. „Ich bin nicht der richtige Ansprechpartner“, sagt er. Die richtigen Ansprechpartner aber spielen auf Zeit. Bernd Hofmann, Unions Vizepräsident, sagt: „Ich denke, Ende des Jahres werden wir unsere Entscheidung treffen. Jetzt haben wir erst Ende September, also haben wir noch ein bisschen Zeit.“ Union will abwarten, wie sich die sportlichen Dinge entwickeln.

Wassilew weiß, wie erfolgsabhängig er ist. „Nur gute Ergebnisse festigen meine Position“, sagt er. Entscheidend wird auch sein, wie sich das Verhältnis zwischen Trainer und Präsident entwickelt. Heiner Bertram ist schon mehr als einmal auf Distanz gegangen, zuletzt als Wassilew Unions Neuzugänge bei der Aufstellung für das erste Saisonspiel gegen Mainz unberücksichtigt ließ.

Wassilews Vertrag mag 2003 enden, aber in die Planung für die Zeit danach ist er durchaus involviert. Allzu schlechte Karten scheint er nicht zu haben. Vizepräsident Bernd Hofmann sagt: „Wir sind von seinen sportlichen Qualitäten absolut überzeugt.“ Eine kleine Niederlagenserie, das weiß Wassilew, könnte diesen Eindruck rasch ändern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben