Ermittlungen gegen Beckenbauer : Wie eine Räuberpistole

Franz Beckenbauer und anderen DFB-Größen droht eine Bestrafung. Eine Affäre, die ungeheuerliche Konsequenzen haben kann. Ein Kommentar.

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Franz Beckenbauer im Jahr 2006. Foto: dpa
Franz Beckenbauer im Jahr 2006.Foto: dpa

Es war wie im Märchen, so schön. Ein Sommer zum Verlieben. Zurück ins Jahr 2006: Deutschlands gesellschaftliche Depression schmilzt dahin in der strahlenden Sonne, die bis ins Herz reichte. Die Taxi- und die Busfahrer in Berlin sind freundlich! Die Welt, die zu Gast ist, schwärmt vom Gastgeber. Und das weltweit. Ein Himmel voller Geigen. Und Fußbälle.

Wäre es ein Film, würde man jetzt sagen: Cut. Wir schreiben 2016: In der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM drohen dem „Kaiser“, drohen dem großen Franz Beckenbauer, dem sich mehr als Fußball-Deutschland für seine nimmermüde Werbetour zu Dank verpflichtet fühlte, strafrechtliche Konsequenzen. Der Vorwurf lautet Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei, Veruntreuung. Wie das nur schon klingt! Und nicht allein Beckenbauer, der nationale Heroe, ist betroffen. Mit ihm ist es diese ganze ehrenwerte Gesellschaft aus (ehemaligen) hohen und höchsten Funktionäre des DFB: Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt, Wolfgang Niersbach. Sie waren im Organisationskomitee, Beckenbauer war Chef der deutschen Bewerbung.

Wir wollen hoffen - für „Schland“

Hier im Land war bisher nur die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main tätig, wegen Steuerhinterziehung. Jetzt ermittelt aber die Schweizer Bundesanwaltschaft, und es gab schon Hausdurchsuchungen in Deutschland und Österreich. Berichte über Millionenzahlungen, Geld, das über die Schweiz nach Katar und in Teilen wieder zurückkam – es klingt wie eine Räuberpistole. Und doch ist es eine ernste Sache.

Die Affäre in ihrem Lauf: Wer hält sie noch auf? Denn ihr Verlauf kann ja ungeheuerliche Folgen haben. Für „ungetreue Geschäftsbesorgung“ drohen in der Schweiz eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Gefängnis, in besonderen Fällen sogar bis zu fünf Jahre Haft. Dass Wolfgang Niersbach zwischenzeitlich sein Amt als DFB-Präsident aufgegeben hat, erscheint da rückblickend wie, sagen wir, Peanuts. Vor dem ganzen Hintergrund klang dieser Satz selten so lieblich wie heute: Bis zum Beweis des Gegenteils gilt die Unschuldsvermutung. Wollen wir hoffen. Fürs Land, für „Schland“.

2006 soll doch am Ende nicht nur ein Märchen gewesen sein.

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