Ermittlungen : Herthas Ebert: Noch mehr Schaden?

Herthas Mittelfeldspieler Patrick Ebert soll an seinem 22. Geburtstag 13 Autos demoliert haben. Bisher war nur von sechs bis sieben Wagen und einem Motorroller die Rede.

Tanja Buntrock,Michael Rosentritt
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Unter Verdacht. Patrick Ebert.Foto: dpa

Patrick Ebert bekam gestern hohen Besuch. Nicht von Beamten des Landeskriminalamtes (LKA), die gegen ihn ermitteln, sondern von Herthinho, Herthas riesenhaftem Gute-Laune-Bär. Das 2,35 Meter hohe Maskottchen des Fußball-Bundesligisten hatte sich eingefunden am Trainingsplatz und mit ihm zahlreiche Kinder. Als da wären eine gemischte Gruppe von Jungen und Mädchen, die in der ersten Osterferienwoche ein Fußballcamp beim benachbarten SCC abhalten sowie eine rund 20-köpfige Abordnung des sogenannten Kidsklub, dessen Schirmherr wiederum der Herr Ebert ist. Irgendwann während des Trainings waren die Kinder vom Bären so fröhlich gestimmt, dass sie einen Gesang auf Patrick Ebert anstimmten. „Pa-trick Ebert!“

Der Besungene dürfte wenig davon mitbekommen haben, er kickte gut 300 Meter entfernt. Das tat er mit gewohntem Eifer. Und so wäre es unter normalen Umständen ein launiger Tag gewesen für den Fußballprofi von Hertha BSC. Doch was ist schon noch normal in diesen Tagen für Patrick Ebert?

Bekanntermaßen schleppt der 22-Jährige eine sehr dumme Geschichte mit sich rum, die von Tag zu Tag an Schärfe gewinnt. Seit zwei Wochen wird gegen Ebert wegen des Verdachts der Sachbeschädigung im öffentlichen Straßenverkehr ermittelt. Nach den neuerlichen Vorwürfen, wonach Ebert von Mittelsmänern eines Geschädigten erpresst worden sein soll, gab es gestern ein Gespräch zwischen Herthas Manager Dieter Hoeneß und Eberts Berater Jörg Neubauer. „Wir sind mit diesem Verdacht konfrontiert worden. Wenn unser Spieler unschuldig ist, wovon wir ausgehen, dann belasten solche Dinge den Spieler“, sagte Hoeneß. Allerdings sagt der Manager zum wiederholten Male: „Immer vorausgesetzt, dass er uns die Wahrheit gesagt hat“. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe hatten sich Manager Hoeneß und Ebert zusammengesetzt und eine Stunde lang gesprochen. Hoeneß habe den Spieler mehrfach gefragt, ob er die Wahrheit sage. „Wenn er uns das dann sechs- oder siebenmal bejaht, dann gehen wir davon aus, dass es stimmt. Wir als Verein müssen von seiner Unschuld ausgehen bis zum Beweis des Gegenteils.“

Der Verein wolle jetzt sehen, wie er mit den Erpressungsvorwürfen umgehe. „Natürlich sind wir interessiert, was wirklich war“, sagte Hoeneß, betonte aber zugleich, dass der Verein nicht aktiv werden könne. „Wir können ja keine Akteneinsicht beantragen“, sagte Hoeneß. Daher müsse man jetzt davon ausgehen, dass „da jemand etwas Übles will“.

Nach den jüngsten Erkenntnissen des LKA soll Ebert einem der Geschädigten 5000 Euro gezahlt haben. Daraufhin habe dieser Geschädigte seinen Strafantrag zurückgezogen. Eberts Rechtsanwalt Janusz Lerch widerspricht dieser Version und hatte das LKA über eine angebliche Erpressung in Kenntnis gesetzt. Für die Zeit nach Ostern habe Eberts Anwalt Akteneinsicht beantragt.

Andererseits haben sich offenbar die Vorwürfe gegen Ebert verdichtet. Wie der Tagesspiegel aus Ermittlerkreisen erfuhr, sollen Ebert und Kevin-Prince Boateng in den frühen Morgenstunden des 18. März aktiv an der Sachbeschädigung beteiligt gewesen sein. Auch gegen den Dortmunder Profi Boateng werde weiterhin ermittelt. Die jüngsten Ermittlungen hätten nun allerdings ergeben, dass es sich nicht wie bisher angenommen um sechs oder sieben beschädigte Autos sowie einen Motorroller gehandelt habe. Sondern um insgesamt 13 beschädigte Autos. Patrick Ebert wollte sich dazu gestern nicht äußern. Er schrieb schweigend Autogramme.

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