Sport : Erneuerung von innen

Der langjährige Nachwuchscoach Frank Menz folgt als Basketball-Bundestrainer auf Svetislav Pesic.

von
Hohe Ziele. Karsten Tadda ist einer von vielen Nationalspielern, den Menz aus Nachwuchs-Nationalteams kennt. Foto: p-a/dpa
Hohe Ziele. Karsten Tadda ist einer von vielen Nationalspielern, den Menz aus Nachwuchs-Nationalteams kennt. Foto: p-a/dpaFoto: dpa

Berlin - Vielleicht übertrieb Ingo Weiss ein bisschen, als er am Donnerstag seinen neuen Bundestrainer vorstellte. „Frank ist etwas strenger als Pesic“, sagte der Präsident des Deutschen Basketball-Bunds (DBB) über Frank Menz, der die Nationalmannschaft von Svetislav Pesic übernimmt. Ob der 48-Jährige tatsächlich noch rigoroser arbeitet als sein für seine Liebe zur Disziplin bekannter Vorgänger, wird sich im kommenden Sommer zeigen, wenn er das Nationalteam bei der EM in Slowenien betreuen wird. „Mein Ziel ist es, die Mannschaft an ihre Grenzen zu führen“, kündigte Menz an. „Wir werden intensiv spielen, mit Lust und Laune. Wir wollen defensiv eines der besten Teams in Europa sein.“

Pesic hatte die DBB-Auswahl souverän und ohne Niederlage durch die EM-Qualifikation geführt, sich dann aber für ein Engagement beim FC Bayern München entschieden. Die Beförderung von Frank Menz neun Tage nach Pesics Abgang ist keine Überraschung. Zuletzt hatte sich zwar auch Dirk Bauermann, der das Nationalteam bereits zwei Mal betreut hatte, wieder ins Gespräch gebracht, bald deutete aber alles auf Frank Menz hin. Weil die Bundesliga eine Doppelfunktion als Vereinstrainer und Nationalcoach verbietet, schied eine Vertragsverlängerung mit dem vom DBB favorisierten Pesic als Option aus. Auch der in Trier momentan mit jungen deutschen Spielern sehr erfolgreiche ehemalige Alba-Chefcoach Henrik Rödl stand nicht zur Verfügung. Ohnehin ist die Anstellung beim DBB für die meisten namhaften Trainer kein Traumjob: Ein Basketball-Bundestrainer bekommt seine Mannschaft nur im Sommer für ein paar Wochen in die Finger, den Rest des Jahres kann er wegen des engen Spielplans der Vereine und fehlender Länderspieltermine nicht mit ihr arbeiten.

Frank Menz stellt somit eine praktische, logische und wohl auch kostengünstige interne Lösung dar. Bereits seit 2006 arbeitet der gebürtige Berliner in verschiedenen Positionen beim DBB, zuletzt als Pesics Assistent sowie als Cheftrainer der U-20-Männer und der A2-Nationalmannschaft, bei den vergangenen U-20-Europameisterschaften erreichte er mit der U 20 zwei sehr achtbare fünfte Plätze. Durch seine Arbeit im Nachwuchsbereich kennt er die meisten aktuellen Spieler des zuletzt stark verjüngten Nationalteams schon seit Jahren, Co-Kapitän Heiko Schaffartzik betreute er beispielsweise im A2-Team bei der Universiade 2007 in Bangkok. Schaffartzik bezeichnete Frank Menz gegenüber dem Tagesspiegel als „hervorragende Wahl“ und „sehr gute Lösung. Ich glaube, er wird seine Sache sehr gut machen.“ Auch der Alba-Profi bekräftigt, dass Menz ein Freund klarer Ansagen ist: „Frank legt sehr großen Wert auf Disziplin und auf harte Verteidigung.“

Als Spieler war Frank Menz von 1984 bis 1992 bei den Neuköllner Sportfreunden in der zweiten Bundesliga aktiv, 1992/93 stand er bei Alba Berlin im Bundesligakader, kam allerdings in seiner einzigen Saison für den achtmaligen Deutschen Meister nur auf drei Einsätze und sechs Punkte. Nach mehreren Engagements bei Frauenmannschaften führte er das Männerteam des SSV Einheit Weißenfels – des heutigen Mitteldeutschen BC – in die Bundesliga und dort sogar auf den sechsten Tabellenplatz, was ihm die Ehrung als Deutschlands „Trainer des Jahres“ einbrachte.

Beim Deutschen Basketball erhält Menz nun einen unbefristeten Vertrag. „Er hat im Verband exzellente Aufbauarbeit geleistet“, sagte Weiss über die Rolle des neuen Bundestrainer beim DBB in der Vergangenheit. „Unsere Vorstellungen liegen auf einer Wellenlänge.“ Auch unter Menz bleibt Dirk Nowitzki zumindest Thema im Nationalteam. „Ich werde horchen, wie seine Vorstellungen sind. Sowohl mittel- als auch langfristig“, kündigte Menz an. Aber auch im Falle einer Absage des deutschen NBA-Stars ist dem Trainer nicht bange. „Wir haben den Umbruch eingeleitet und sehr guten Nachwuchs in allen Altersklassen“, sagte Menz. „Ich habe 22 Kandidaten für die zwölf Plätze im EM-Kader. Wir werden hart daran arbeiten, dass wir im kommenden Jahr eine gute Endrunde spielen.“ (mit dpa)

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar