Sport : Erneut jagd Ralf Waldmann dem Titel in der 250-ccm-Klasse hinterher

Claus Hecking

Es ist jedes Frühjahr das gleiche. Kurz vor Saisonbeginn der Motorrad-Weltmeisterschaft stellt Ralf Waldmann sein Team vor, sprüht vor Optimismus, gibt als Saisonziel aus, endlich Weltmeister der Klasse bis 250 ccm Hubraum werden zu wollen - und schafft es dann doch nicht. Seit nunmehr 13 Jahren jagt er seinem Lebenstraum hinterher und stellte dabei einen zweifelhaften Rekord auf: Mit 18 Grand-Prix-Siegen ist Waldmann der erfolgreichste Motorradrennfahrer aller Zeiten, der nie einen Titel gewann.

Das soll sich in der am Sonntag in Welkom (Südafrika) beginnenden Saison ändern. Wieder einmal. "Ich weiß, dass ich es packen kann und will es allen zeigen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre", sagt der 33-jährige - soweit nichts Neues. Auch die Gründe für seine Zuversicht hört man nicht zum ersten Mal: Er selbst, so der zweimalige Weltmeisterschaftszweite, fühle sich mit seinem Arbeitsgerät - einer gut 100 PS starken Aprilia - "wie verwachsen". Die Mechaniker um ihren Chef Sepp Schlögl hätten die Technik ausgezeichnet im Griff. Und so wäre eigentlich alles wie immer - und damit wohl auch die Enttäuschung am Saisonende - würde Waldmann nicht plötzlich mit einer neuen Qualität aufwarten: Selbstkritik.

Dass er im letzten Jahr weit unter seinen Ansprüchen blieb, nur WM-Sechster wurde und keinen einzigen Grand Prix gewann, führt Waldmann auf eigene Fehler zurück. Im Gegensatz zu früher sucht er die Schuld für Niederlagen nicht mehr bei anderen: "Ich habe im Winter lange über die verkorkste Saison nachgedacht. Manchmal bin ich wirklich neben mir gestanden", bekennt der Deutsche. Außerdem müsse er zugeben, in den letzten Rennen nicht immer hundertprozentig motiviert gewesen zu sein. "Manchmal", so sagt Waldmann, "brauche ich einen Tritt in den Hintern."

Selbst für seine größte Schwäche des vergangenen Jahres - die Starts, bei denen er in schöner Regelmäßigkeit stehen blieb - lässt der Rennfahrer keine Entschuldigung gelten. "Mir hat das richtige Feeling für den Gasgriff gefehlt", räumt Waldmann ein. "Aber jetzt habe ich es raus."

Dass er seine Laufbahn noch nicht beendet hat, sieht der mittlerweile älteste Teilnehmer des Feldes als Glücksfall für den deutschen Motorradsport an. Der ist in den vergangenen Jahren immer mehr aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden. Nun werden auch ARD und ZDF, die bislang alle Rennen live oder ausschnittsweise übertrugen, ihre Berichterstattung zu Gunsten der neu aufgelegten Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft einschränken. Die einzige Chance, dies zu ändern, sieht Waldmann in eigenen sportlichen Leistungen: "Wenn ich noch einmal richtig Gas gebe und um den Titel mitfahre, wollen die Leute wieder Motorrad sehen."

Wenig Hoffnung setzt der Aprilia-Pilot in seine Landsleute. Sowohl die Achtelliter-Piloten Steve Jenkner und Reinhard Stolz (beide Honda) als auch sein Marken- und Klassenkollege Alexander Hofmann seien von einem Durchbruch in die Weltspitze noch weit entfernt, die WM-Debütanten Klaus Nöhles (ebenfalls Aprilia) und Mike Baldinger (Yamaha) müssten sich in der Viertelliterklasse erst etablieren. "Irgendwann höre ich auf, und dann brauchen wir neue Spitzenpiloten."

Davon, dass die Motorrad-Weltmeisterschaft nicht nur hierzulande vor einer schwarzen Zukunft steht, ist Waldmann überzeugt. Ausverkaufte Rennen vor begeisterten Fans, wie der Deutschland-Grand-Prix am Sachsenring, sind die Ausnahme. Die meisten WM-Läufe finden vor halbgefüllten bis leeren Rängen statt.

Ursache für die Misere ist Waldmann zufolge die schlechte Vermarktung der Serie durch die spanische Agentur Dorna. "Man kann die Motorrad-WM nicht wie die Formel 1 aufziehen", klagt Waldmann. So werde den Fernsehanstalten das Interesse an der Berichterstattung mit überhöhten Drehgebühren vergällt und den Fans an der Strecke der Zutritt zum Fahrerlager verwehrt. Dies betrachtet Waldmann als Fehler. "Unser Sport ist spektakulär. Aber die Funktionäre machen ihn kaputt."

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