Sport : Ernstfall im Stadion

Minister beraten über Sicherheit bei WM 2006

André Görke/ Robert Ide

Berlin - Um 10.04 Uhr brannten im Zentralstadion die Plastikpuppen. Die Leipziger Feuerwehr hatte Silvesterkracher gezündet, die Plastikfiguren begannen zu schmelzen. Um sie herum lagen verwundete Menschen, die ihre knallroten Wunden zeigten und wimmerten. Von 17 Toten und 230 Verletzten im Fußballstadion sprach nach dem Einsatz am vergangenen Wochenende die Leipziger Polizei. Dennoch klagte niemand über Schmerzen. Die Verletzten waren Schauspieler und Protagonisten einer Katastrophenschutzübung zur Fußball-WM 2006. Helfer hatten Fans die Ränge hinabgetragen, Sanitätszelte hinter den Kurven aufgebaut und Feuer gelöscht. Alle 1400 Einsatzkräfte blieben unversehrt; nur die Puppen waren durchgeschmort.

Der Test von Leipzig steht allen zwölf Städten bevor, in denen die WM ausgetragen wird. Die Katastrophenschutzübung gehört zum „Nationalen Sicherheitskonzept“ der WM, das die Innenminister der Länder heute in Stuttgart verabschieden werden. „Wichtig ist, dass alle Sicherheitskräfte schnell und einheitlich kommunizieren“, sagt eine Sprecherin von Innenminister Otto Schily. Schon der Konföderationenpokal, der vom 15. bis 29. Juni 2005 in Deutschland stattfindet, ist logistisch ein wichtiger Test für die Behörden. Deshalb wird schon dann ein Sicherheitszentrum in Berlin errichtet.

In Stuttgart werden sich die Länder auf eine Linie im Kampf gegen Hooligans, Taschendiebe und auch Terrorismus verständigen und über Grenzkontrollen während der WM beraten. „Wir gehen von einer zügigen Konferenz aus“, sagte ein Ministeriumssprecher in Baden-Württemberg. Um 10 Uhr werden die Innenminister im Gottlieb-Daimler-Stadion erwartet, um 15 Uhr soll das Konzept von Schily präsentiert werden. Vorgesehen ist darin die Einrichtung eines „Nationalen Informations- und Kooperationszentrums“, dessen Spezialisten beim Bundesinnenministerium in Berlin angesiedelt sein werden. Sie sollen während der WM das „Nationale Lagebild“ erstellen. Wer die Kosten – die Rede ist von 100 Millionen Euro – trägt, ist bislang unklar.

Wichtig wird die Konferenz auch für die mehr als 100 000 deutschen Polizisten. Die Innenminister wollen beraten, ob sie im Sommer 2006 für die Polizisten eine kollektive WM-Urlaubssperre verhängen.

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