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Eröffnungsfeier : Dirk Nowitzki trägt die deutsche Fahne

06.08.2008 05:32 UhrVon Friedhard Teuffel
NowitzkiBild vergrößern
Prominenz trainiert für Olympia. Nowitzki ragt heraus. - Foto: dpa

Die deutsche Fahne wird bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking am Freitag gut zu sehen sein. Denn ein 2,13 Meter großer Athlet trägt sie ins Stadion: NBA-Star Dirk Nowitzki. Und sie wird von anderen Ländern besonders beachtet werden. Der Basketballer Nowitzki ist neben Fußballer Michael Ballack der bekannteste aktive deutsche Sportprofi.

„Das ist eine Riesenehre und Auszeichnung für mich. Es wird mir kalt den Rücken runterlaufen, wenn ich ins Stadion einlaufen darf“, sagte der 30-Jährige. Wie er mit der Fahne umgehen wird? "Auf jeden Fall nicht allzu wild rumwedeln. Wir sind ja kein Karnevalsverein."

Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, war bei der Verkündung des Fahnenträgers so aufgeregt, dass er erst einmal "Gerd Nowitzki" in den Pressesaal des Deutschen Hauses hereinrief. „Wir haben uns für einen Fahnenträger entschieden, der eine untadelige sportliche Haltung hat, der Erfolg mit Teamgeist verbindet. Der das Big Business kennt und trotzdem bescheiden geblieben ist“, sagte Vesper.

Die Entscheidung wird sicher auch bei den Chinesen gut ankommen. Denn neben Tischtennisspieler Timo Boll ist Nowitzki der polulärste deutsche Sportler im Land des Gastgebers.

Vor allem aber ist es eine Entscheidung für den olympischen Geist. Denn Nowitzki ist ein Fan der Olympischen Spiele. Das übliche Kriterium für den Fahnenträger erfüllt er dagegen nicht: Er kann keine olympischen Erfolge vorweisen. Weil er – zum ersten Mal bei Olympischen Spielen dabei ist. "Mir ist klar, dass es einkleiner  Traditionsbruch ist", sagte Nowitzki. Wenn es nach dem bisherigen Auswahlverfahren gegangen wäre, dann hätte Ralf Schumann die Fahne tragen können. Dreimal Gold hat der Sportschütze bisher gewonnen. Oder Kathrin Boron, sie gewann im Rudern sogar viermal Gold und ist in Peking zum fünften Mal bei Spielen dabei.

Lieblingsplatz Athletenmensa

Doch es geht bei Olympia noch um etwas anderes. Um die Erfüllung eines Traums, um das Erleben und Feiern eines Sportfestes gemeinsam mit Athleten aus anderen Sportarten und anderen Ländern. Dafür steht Dirk Nowitzki. "In der Mensa des olympischen Dorfes zu sitzen und 1000 Leuten beim Essen zuzusehen, das macht einen Riesenspaß", sagte der Basketballspieler. Die Mensa scheint überhaupt sein olympischer Lieblingsort zu sein. Dreimal täglich gehe er dorthin, "abends sitze ich dann schon mal zwei Stunden da". Tiefgreifende Gespräche etwa über Familie führe er zwar nicht, aber viele kleine Unterhaltungen mit Athleten aus ganz verschiedenen Ländern.

Von diesem Ort hatte er schon geschwärmt, als er sich vor drei Wochen mit den deutschen Basketballspielern in Athen für Olympia qualifizierte. Er freue sich darauf, mit anderen Athleten „um Mitternacht in der Mensa des olympischen Dorfes einen Schokoriegel zu essen“, hatte er da gesagt. Schöner hätte er den olympischen Geist kaum beschreiben können.

Den Widerspruch zwischen kommerzialisiertem Profisport und dem olympischen Motto hat Nowitzki jedenfalls aufgelöst. 15 Millionen Dollar beträgt sein geschätztes Jahresgehalt. Das ändert aber offenbar nichts an seinen Gefühlen für Olympia. Die Olympiaqualifikation hatte ihn in Athen sogar zu Tränen gerührt. Zuvor hatte Nowitzki vergeblich versucht, sich für Olympia zu qualifizieren. "Es tat unheimlich weh, mit die Spiele von Sydney und Athen im Fernsehen anzuschauen. Aber daraus habe ich noch mehr Motivation mitgenommen."

Am liebsten wäre Nowitzki gleich doppelt in Peking. Als Sportler, um mit der deutschen Basketballmannschaft das Viertelfinale zu erreichen oder vielleicht sogar eine Medaille zu gewinnen. Und dann noch als Sportfan. "Tennis würde ich mir gerne anschauen. Ich bin ein großer Tennisfan. Tischtennis ist ein Riesensport, ich habe selber eine Platte zu Hause, Handball finde ich toll." Nowitzki wüsste wohl gar nicht, welche Sportart er bei Olympia auslassen sollte.

Die Ringe in der Raspelfrisur

Zum Zeichen seiner Verbundenheit zu Olympia hat er sich mit seinen Basketballkollegen die olympischen Ringe in die raspelkurzgeschorenen Haare rasieren lassen (siehe Foto unten). "Wir hatten gar keine Schablone dafür, deshalb haben wir die Ringe aus Plastiktellern gemacht und dann drumherumgeschnitten. Sieht nicht unbedingt toll aus, aber für Olympia macht man alles."

Die deutsche Fahne trug Nowitzki das letzte Mal übrigens auf der Wange: bei der Fußball-Europameisterschaft im Juni. In seiner Heimat Würzburg schaute er sich ein Spiel der deutschen Mannschaft an, doch diesmal dürfte er mit der Fahne mehr Freude haben: Es war das Spiel gegen Kroatien.

Hier eine Liste der deutschen Fahnenträger bei Olympischen Spielen:

1908 London: Wilhelm Kaufmann (Turnen) Deutschland
1912 Stockholm: Karl Halt (Leichtathletik) Deutschland
1928 Amsterdam: Ernst Paulus (Leichtathletik) Deutschland
1932 Los Angeles: Georg Gehring (Ringen) Deutschland
1936 Berlin: Hans Fritsch (Leichtathletik) Deutschland
1952 Helsinki: Friedel Schirmer (Leichtathletik) Bundesrepublik Deutschland
1956 Melbourne: Karl-Friedrich Haas (Leichtathletik)  Gesamtdeutsche Mannschaft (BRD)
1956 Stockholm: Fritz Thiedemann (Reiten) Gesamtdeutsche Mannschaft (BRD)
1960 Rom: Fritz Thiedemann (Reiten) Gesamtdeutsche Mannschaft (BRD)
1964 Tokio: Ingrid Engel-Krämer (Wasserspringen) Gesamtdeutsche Mannschaft (DDR)
1968 Mexiko-Stadt: Wilfried Dietrich (Ringen) BRD, Karin Balzer (Leichtathletik) DDR
1972 München: Detlef Lewe (Kanu) BRD,  Manfred Wolke (Boxen) DDR
1976 Montreal: Hans Günter Winkler (Reiten) BRD, Hans Reimann (Leichtathletik) DDR
1980 Moskau: Kristina Richter (Handball) DDR
1984 Los Angeles: Wilhelm Kuhweide (Segeln) BRD
1988 Seoul: Reiner Klimke (Reiten) BRD,  Ulf Timmermann (Leichtathletik) DDR
1992 Barcelona: Manfred Klein (Rudern) Deutschland
1996 Atlanta: Arnd Schmitt (Fechten) Deutschland
2000 Sydney: Birgit Fischer (Kanu) Deutschland
2004 Athen: Ludger Beerbaum (Reiten) Deutschland
2008 Peking: Dirk Nowitzki (Basketball) Deutschland

In unserem Berlin/Peking-Blog lesen Sie ein Interview mit Manfred Klein, Fahnenträger von 1992.

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Dirk Nowitzki ist auch äußerlich voll auf Olympia eingestellt. - Foto: dpa
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