Eröffnungsfeier in Sotschi : Russisches Fernsehen gesteht Manipulation der Live-Übertragung

Kontroverse Eröffnungsfeier: Das russische Staatsfernsehen gibt zu, Live-Bilder aus Sotschi manipuliert zu haben, bemerkenswert war außerdem die Wahl der Einlaufmusik der Russen. Und auch die Entzünderin des olympischen Feuers sorgt für Gesprächsstoff.

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Der fünfte Ring blieb geschlossen - aber nur für die internationalen Zuschauer.
Der fünfte Ring blieb geschlossen - aber nur für die internationalen Zuschauer.Foto: dpa

Nach einer Panne bei der Eröffnungsshow der Olympischen Winterspiele in Sotschi hat das russische Staatsfernsehen eine Manipulation der Live-Übertragung eingeräumt. Die Fernsehzuschauer in Russland sahen anders als die Menschen im Fischt-Stadion am Freitag nicht, wie eine stilisierte Schneeflocke geschlossen blieb und sich nicht zum fünften olympischen Ring öffnete. Im Stadion versagte die Technik, der Ring blieb geschlossen.

Fernsehchef Konstantin Ernst räumte danach ein, dass für die TV-Zuschauer ein Probenbild montiert worden sei, als der Ring sich nicht öffnete. Ziel sei es gewesen, den Menschen eine perfekte Show zu zeigen. Zuschauer im Ausland sahen die Panne allerdings - und eben nur vier geöffnete Ringe. „Es hatte keinen Einfluss auf den Rest der Show“, betonte Ernst.

Zugleich bedauerte er die Panne. „Es war eigentlich die einfachste Sache“, meinte er. „Es hat niemanden beleidigt.“ Bei einer Pressekonferenz sekundierten andere Regisseure, dass es gerade dann spannend sei bei einer Show, wenn etwas einmal nicht klappe. Es handele sich um moderne Technik, die versagen könne.

Rahmenprogramm mit kontroversem Pop-Duo Tatu

Im Rahmenprogramm der Veranstaltung trat vor der eigentlichen Eröffnungsfeier auch die kontroverse russische Band Tatu auf. Das Pop-Duo greift in seinen Songs und Videos immer wieder lesbische Themen auf. Später war ihre Musik auch zu hören, als die russischen Athleten ins Olympiastadion einliefen. Die beiden Musikerinnen Lena Katina und Julia Wolkowa sind selbst nicht lesbisch, doch thematisieren sie immer wieder die gleichgeschlechtliche Liebe.

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Der Name der Gruppe t.A.T.u. ist die Abkürzung für „Ta Lubit tu“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Dieses Mädchen liebt jenes Mädchen“. Im Ausland bekannt wurde das Duo vor allem im Jahr 2003, als es für Russland am Eurovision-Songcontest teilnahm. In ihren Musikvideos spielen Katina und Wolkowa immer wieder mit einem lesbischen Schulmädchenimage, unter anderem küssen sie sich in dem Video zu „All about us“ auf den Mund. Gastgeber Russland steht wegen seiner scharfen Anti-Homosexuellen-Gesetzgebung in internationaler Kritik. Wegen des Gesetzes, das die Verbreitung sogenannter homosexueller Propaganda an Minderjährige verbietet, hatten zahlreiche Prominente zum Boykott der Spiele in Sotschi aufgerufen. Der Produzent der Eröffnungsshow wies jedoch einen Zusammenhang zwischen der Kritik und dem Engagement von Tatu zurück: Die Band sei ausgewählt worden, weil sie als eine der wenigen in Russland international bekannt sei, sagte Ernst.

Rassismus-Vorwurf gegen Feuer-Entzünderin Rodnina

Ebenfalls kontrovers könnte die Wahl der dreifachen Paarlauf-Olympiasiegerin und aktuellen russischen Abgeordneten Irina Rodnina gewesen sein, die gemeinsam mit dem ehemaligen Eishockey-Torwart Wladislaw Tretjak das olympische Feuer entzünden durfte: Wie der britische "Guardian" im September 2013 berichtet hatte, soll Rodnina ein Foto von US-Präsident Barack Obama und dessen Frau Michelle getwittert haben, in das eine Banane eingearbeitet war. Das Foto hatte dem Bericht zu Folge Rassismus-Vorwürfe nach sich gezogen, Rodnina habe das Bild zwar gelöscht, ihre Tat aber als durch die Meinungsfreiheit gedeckt gerechtfertigt. (mit dpa/AFP)

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