Eröffnungsfeier : Paralympics-Feuer in Turin brennt

Zwölf Tage nach Beendigung der XX. Olympischen Winterspiele brennt in Turin wieder das Feuer. Mit einer atemberaubenden und facettenreichen Show wurden am Freitagabend die IX. Winter-Paralympics gestartet.

Turin - "Sie sind eine schöne Fortsetzung der Winterspiele, und sie schenken uns noch etwas dazu: die Freude am Leben", sagte Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi, der die Spiele exakt um 19.12 Uhr mit der traditionellen Formel für eröffnet erklärte. Das Weltfest der Behinderten steht unter dem Motto: «Spirit in Motion» (Geist in Bewegung).

Der Präsident des Internationalen Paralympics-Komitee (IPC), Sir Phillip Craven, hob die Bedeutung der Paralympics hervor und lobte die Gastgeber: «Ich habe das Gefühl, zu Hause zu sein. Die Leidenschaft lebt hier.» Gleichzeitig appellierte er an die Athleten: «Ich weiß, dass ihr hart miteinander wettstreiten werdet, ohne Doping», sagte Craven.

Glänzender Höhepunkt der eineinhalbstündigen Show vor 26 000 Zuschauern im Stadion Olimpico war der Auftritt des beinamputierten Italieners Alex Zanardi. Der ehemalige Formel-1-Kollege von Ralf Schumacher bei Williams-BMW war am 15. September 2001 auf dem EuroSpeedway Lausitz schwer verunglückt. Zwei Jahre später gewann er mit Prothesen wieder Rennen. Bereits bei der Olympia-Eröffnung hatten die Tifosis mit dem Auftritt eines Formel-1-Boliden von Ferrari ihre Verbundenheit zum Autorennsport gezeigt. Mit einer emotionalen Rede forderte Zanardi die Athleten «mit viel Enthusiasmus» zu Höchstleistungen auf.

Auch Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner aus Südtirol sprach beim «Überwinden von Barrieren» den Teilnehmer Mut zu. Messner bestieg ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff den Mount Everest und bezwang als Erster im Alleingang den Nanga Parbat. Obwohl er durch die Amputation von sechs erfrorenen Zehen nach der Parbat-Besteigung als Kletterer behindert war, bekämpfte er alle «Achttausender» der Erde. Symbolisch für das Niederreißen von Blockaden in den Köpfen zerstörte eine Rollstuhlfahrerin mit Pfeil und Bögen eine überdimensionale Wand in Form einer aufsteigenden Treppe.

Zu den prominentesten Gästen der Eröffnung zählten die schwedische Kronprinzessin Victoria, IOC-Präsident Jacques Rogge, die Fußballer des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin und Horst Köhler. Der Bundespräsident applaudierte stolz, als der alpine Rennläufer Martin Braxenthaler einen Tag vor seinem 34. Geburtstag das deutsche Team als Fahnenträger ins Stadion führte. «Ich bin sehr stolz, dass ich die Fahne tragen durfte. Es war eine fantastische Atmosphäre. Jetzt können die Wettkämpfe beginnen», sagte der Traunsteiner. Der Fahnenträger von 2002, der zwölffache Paralympics-Gewinner Frank Höfle, sagte vor seiner siebenten Teilnahme: «Es ist immer wieder schön.»

Nach der Premiere 1976 im schwedischen Örnsköldsvik kämpfen bei der neunten Auflage in Turin bis zum 19. März insgesamt 535 Sportler aus 39 Nationen um die 58 Goldmedaillen. Die deutsche Mannschaft ist mit 35 Aktiven sowie mit fünf Begleitläufern und rund 40 Betreuern am Start. Damit die Spiele sauber bleiben, sind über 280 Dopingtests (97 in Salt Lake City) angesetzt. (Von Frank Kastner, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben