Sport : Ersatzmann: "Wosz spielt nicht Wosz"

Klaus Rocca

Es sind freudlose Tage für Dariusz Wosz. Gegen Albanien und Griechenland war er von Teamchef Rudi Völler auf die Reservebank verbannt worden, gestern nach der Ankunft in Berlin musste er gleich zum Arzt. "Ich habe am ganzen Körper Pusteln. Hoffentlich sind es nicht die Windpocken", sagte Wosz. Seine Befürchtungen bestätigten sich. Mindestens eine Woche muss Wosz pausieren.

Zum Thema Online Spezial: Hertha BSC Woszs Aktie bei seinem Arbeitgeber Hertha BSC steht derzeit ohnehin sehr niedrig. "Wosz spielt zurzeit nicht Wosz. Und deshalb muss er begreifen, dass er nicht erste Wahl ist", bilanzierte Dieter Hoeneß, Manager des Fußball-Bundesligisten, auf der gestrigen Pressekonferenz vor dem Spiel gegen 1860 München am Sonnabend im Olympiastadion. Da schwang ein wenig Schärfe mit. Was Wunder, ist man doch bei Hertha erbost darüber, dass Wosz über seine Homepage Klage darüber geführt hatte, von Trainer Jürgen Röber im Fachblatt "Kicker" als einer der Hauptverantwortlichen für die letzte Schlappe in Cottbus gebrandmarkt worden zu sein. Hoeneß: "Es gibt keinen Grund für ihn, einen Aufstand zu machen und wehleidig zu sein." Von einer Abmahnung ist freilich nicht die Rede, obwohl Hoeneß die vor einiger Zeit für öffentliche Klagen von Spielern angedroht hatte.

Dass Wosz so schlechte Karten hat, liegt auch an Sebastian Deisler. Der Nationalspieler, in Athen bis zu seinem Platzverweis (Röber: "Ich hätte am liebsten in die Hände geklatscht, dass er nur 60 Minuten spielen durfte und sich für uns dann schonen konnte") einer der Besten auf dem Platz, fühlt sich in der zentralen Mittelfeldposition offenbar besonders wohl. Das allerdings ist auch die Lieblingsposition von Wosz. Bei der augenblicklichen Formkrise von Wosz ist es für Röber keine Frage, Deisler von rechts ins Zentrum zu beordern.

Dafür hat sogar Wosz Verständnis: "Wenn Sebastian in der Nationalmannschaft da so glänzt, ist es doch ganz normal, dass er auch im Verein die zentrale Rolle hinter den Spitzen übernimmt." Laut Röber käme Wosz auch für die Halb-Position infrage. Derzeit aber wohl nicht. Morgen gegen München darf der 1998 für 5,2 Millionen Mark geholte Wosz wieder Platz auf der Reservebank nehmen. Mit der ist er inzwischen vertraut.

Nun fragt man sich in Berlin, warum Völler einen formschwachen Dariusz Wosz überhaupt nominiert hat. Hoeneß spricht von einem "Motivationsschub" für Wosz, Röber meint, da müsse man "Rudi fragen". Und Wosz: "Ich habe eben zuletzt immer zum Kader gehört."

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