Sport : Erschöpfte Eisbären

Die Berliner sehnen die Pause in der DEL herbei

Claus Vetter

Berlin - Die jungen Männer, die auf dem Eis herumspielen, machen keinen erschöpften Eindruck. Torwart Tomas Pöpperle hat sogar noch Kraft für einen freundschaftlichen Ringkampf mit Stürmer Christoph Gawlik. Es geht ausgelassen zu beim letzten Training der Eisbären vor der Olympia-Pause. Heute noch ein Heimspiel gegen die Frankfurt Lions (19.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen, live auf Premiere), am Freitag dann noch das Nachholspiel beim selben Gegner – dann haben alle Spieler, die nicht zu Olympia nach Turin fahren bis zum 13. Februar trainingsfrei. In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geht es erst Ende Februar weiter.

Der Eindruck der Raufeinlage von Pöpperle und Gawlik täusche, findet Steve Walker. Die Teilnahme am Spengler-Cup im Dezember zeige nun ihre Spuren. „Ein Glück, dass ab Freitag Pause ist. Wir sind einfach geistig und körperlich momentan nicht frisch genug“, sagt der Berliner Mannschaftskapitän. „Daher bereiten uns Unterzahl- und Überzahlspiel zurzeit große Probleme.“ Das war bei der 0:2-Heimniederlage am Sonntag gegen Ingolstadt nicht zu übersehen. Überhaupt ist von der einstigen Berliner Heimstärke wenig übrig geblieben. Daheim ist der Tabellendritte nach 44 Spielen nur das sechstbeste Team in der DEL. „Merkwürdig“ findet Walker das. „Eine Erklärung dafür habe ich nicht.“ Geht es nach seinem Trainer, gibt es Lösungen. Verstärkung müsse her, sagt Pierre Pagé. Die Konkurrenz sei läuferisch stärker geworden. Einen flinken Schlittschuhläufer hat der Trainer nun gefordert – und damit seinen Manager Peter John Lee überrascht. Der denkt nicht daran, in dieser Saison noch jemanden zu verpflichten, wie er sagt.

Also muss das vorhandene Personal ausreichen. Das aber hat vor den Spielen gegen Frankfurt Probleme, sagt Pagé. „Bis zum 10. Januar hatten wir das beste Powerplay in der DEL, und jetzt?“ Jetzt dienen eine Wasserflasche, ein Glas, ein Autoschlüssel und ein Flaschenöffner dem Trainer dazu, eine Spielsituation zu simulieren. Pagé breitet die Utensilien auf einem Tisch aus: „Hier Walser, da der Puck, dort ein Gegenspieler und hinten Micki Dupont.“ Er simuliert einen Schuss. Der Autoschlüssel-Gegenspieler bewegt sich, sonst aber nichts. „Das ist zu statisch, was wir zurzeit machen. Der Derrick Walser hat mir ja gesagt, er will häufiger aufs Tor schießen“, sagt Pagé. „Aber dann steht dort kein Spieler, der auf den Abpraller wartet. Was also soll Walser machen?“

Zwei Spiele lang sollte es Walser mit dem Schießen doch noch versuchen. Was nach der Pause in der DEL passiert, sei sowieso eine ganz andere Frage, sagt Stürmer Walker: „Da beginnt praktisch eine neue Saison.“ Die Spieler der Eisbären scheinen es gelassen zu nehmen, dass ihr Trainer eine Krise erkannt hat. Vergangene Saison verloren die Berliner im Januar zwar nicht wie diesmal fünf, aber doch vier Spiele. Mit Beginn der Play-offs war das nicht mehr von Interesse. Und wenn diesmal im März die Endrunde beginnt, verspricht Walker, „werden wir Spieler schon die nötige Konzentration und Kondition haben“.

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