Sport : Erst Europa, dann Mendig

SCC-Volleyballer kämpfen gegen ein Kopfproblem

Karsten Doneck

Berlin - Der Volleyballer Robert Kromm misst 2,11 Meter. Wenn er hochspringt, um die Bälle ins gegnerische Feld zu wuchten, scheint mancher Block auf der Gegenseite auf Zwergenwuchs zu schrumpfen. Kromm ist erst 20 Jahre alt, seine Leistungen sind noch schwankend. Im Spiel des SC Charlottenburg am Donnerstag in der Champions League bei Spaniens Vertreter Unicaja Almeria unterliefen Kromm zum Satzende hin einige Fehler. Mit Folgen: Der SCC verlor 0:3 (24:26, 22:25, 22:25). Und Günter Trotz, der Geschäftsführer, grämte sich: „Da war mehr drin für uns.“

Die Charlottenburger hielten in ihren beiden bisherigen Gruppenspielen der Champions League gegen Tours VB (2:3) und Almeria achtbar mit, zum Sieg reichte es indes nicht. „Das ist auch der Preis dafür, dass wir mit jungen Leuten arbeiten. Eine erfahrenere Mannschaft hätte sich zum Beispiel gegen Tours eine 2:0-Satzführung nicht mehr nehmen lassen“, sagt Manager Kaweh Niroomand. Für den SCC steckt das Dilemma aber nicht nur in der Unbeständigkeit der jungen Kräfte wie Kromm. Die Mannschaft insgesamt wird an den Wochenenden in der Bundesliga oft nur mäßig gefordert, soll aber in der Wochenmitte im Europacup Höchstleistungen abrufen. „Es besteht die Gefahr, dass unsere Spieler, gerade die jungen, das alles im Kopf nicht richtig sortieren“, sagt Niroomand. „Wir müssen in der Bundesliga souveräner auftreten, auch mal 3:0 gewinnen“, fordert Kapitän Marko Liefke. 23:11 lautet das eher dürftige Satzverhältnis des SCC nach acht Spieltagen.

Nächster Gegner in der Bundesliga ist am Sonntag (15 Uhr, Sömmeringhalle) der VV Leipzig, derzeit Dritter in der Bundesliga. Ein echtes Spitzenspiel. Der SCC ist gewarnt. Schon nach dem Galaauftritt gegen Tours hatte die Mannschaft drei Tage später in Mendig mächtige Probleme, ehe noch im Tiebreak (15:13) alles glimpflich abging. Günter Trotz weiß um derlei Eigendynamik beim Volleyball. Er sagt: „Das kriegst du aus den Köpfen nicht raus. Die Spieler denken unterschwellig: Naja, das ist eben nur Mendig.“

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