Sport : Erst flogen die Chrysanthemen, dann präzise Bälle

Stuttgart (dpa).

Stuttgart (dpa). Mit einem Schlag in die Blumen hat Thomas Haas seine Lebensgeister geweckt und sich erstmals seit 25 Monaten wieder in die Top Ten der Tennis-Welt gespielt. "Wenn es nicht so läuft, dann lasse ich meinen Frust raus. So bin ich eben", entschuldigte sich der beste deutsche Tennisprofi für seinen Ausraster beim Hallen-Masters in Stuttgart. Nach dem vergebenen ersten Satz im Achtelfinale gegen den Marokkaner Hicham Arazi drosch der 23-Jährige sein Racket unbeherrscht zwischen die Chrysanthemen, die den Centre Court in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle einrahmen.

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Haas erhielt eine Verwarnung - aber er war im zweiten Satz hellwach. Nach dem Motto "Jetzt erst recht" schlug sich der in Florida residierende Hamburger mit Frust und Lust auch durch den finalen Akt. Im fünften Anlauf stand er nach einem 4:6, 6:3, 7:6 (7:1) zum ersten Mal im Viertelfinale des mit 2,95 Millionen Dollar dotierten Top-Turniers. Und noch mehr: Zehn weitere Punkte für das Champions Race beförderten ihn wieder unter die Top Ten. In diesem illustren Kreis hatte er sich zum ersten Mal am 13. September 1999 befunden und "mein bestes Jahr" dann auf Position elf beendet. "Da will ich wieder hin", kündigte er vor dem Turnier an. "Ich bin schon drin", heißt es nun. Aber ganz so einfach war das nicht.

Der Brite Tim Henman war gestern nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe im Viertelfinale der nächste dicke Brocken, den der viermalige Turniersieger aus dem Weg räumen wollte. "Ich muss gegen Tim mein bestes Tennis spielen und die Big Points machen", nahm sich Haas für den dritten Auftritt bei seinem "Heimspiel" vor.

Von Stuttgart nach Sydney, wo Mitte November beim Masters Cup nur die acht besten Tour-Profis aufschlagen dürfen, ist es aber noch ein langer Weg. Haas muss sogar noch Siebter im Champions Race werden. Denn Platz acht ist für Wimbledonsieger Goran Ivanisevic reserviert. "Über mein Ranking habe ich noch nicht nachgedacht, aber ich denke, ich habe eine Chance, es nach Sydney zu schaffen", sagte Haas, der in Florida wieder bei seinem früheren Coach David Ayme trainiert. "Dort fühle ich mich wohl. Das Trainingscamp kenne ich seit meinem 14. Lebensjahr", sagte Haas.

Dass Deutschland zum Daviscup-Auftakt 2002 in Kroatien antreten muss, hat Haas in Stuttgart zuerst von Goran Ivanisevic erfahren. Neben dem Wimbledonsieger Ivanisevic, der seine Schulteroperation extra verschieben will, werden die Kroaten dann im Februar wohl ihren Hoffnungsträger Ivan Ljubicic aufbieten, der in Lyon gerade sein erstes Turnier gewonnen hat. Für Haas hat dieses Match etwas Besonderes: "Niki Pilic ist ja der Teamchef der Kroaten. Das ist doch eine tolle Geschichte."

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