Sport : Erst Frustabbau, dann Neuanfang

Dem 1. FC Union verhilft der Trainerwechsel noch nicht auf Anhieb zur Besserung

Karsten Doneck

Berlin. Die Ausrichtung war sonnenklar. Ein Neuanfang sollte her. Wer den Trainer wechselt, der hofft eben darauf, dass sich alle schlechten Dinge schlagartig zum Besseren wenden. Gut, dass das im Fußball nicht ganz so einfach geht. Sonst würden manche Vereine jede Woche einen neuen Übungsleiter holen. Der 1. FC Union hat sich darauf verständigt, bis auf weiteres mit Iwan Tischanski als Trainer sein Glück zu versuchen. Dessen Einstand am Sonntag ließ Unions große Fangemeinde indes etwas ratlos zurück. 2:2 gegen Wacker Burghausen – was war das? Der versprochene Neuanfang sicher nicht, auch kein Signal zum Aufbruch in bessere Zeiten. Was der Trainerwechsel von Georgi Wassilew zu Iwan Tischanski denn gebracht habe, wurde Unions Stürmer Sreto Ristic nach dem Abpfiff gefragt. Offen und ehrlich, wie das seine Art ist, antwortete Ristic: „Vom Ergebnis her nicht so viel.“

Union hatte auch im letzten Heimspiel, noch unter Wassilew, 2:2 gespielt, gegen Greuther Fürth. Dieses Resultat wurde eingerahmt von einem 0:4 beim SC Freiburg und dem 0:7 beim 1. FC Köln. Insofern standen die 90 Minuten gegen Burghausen für Unions Profis schon mal weniger unter dem Aspekt des Neuanfangs. Vielmehr ging es um Frustbewältigung. Und darum, den Kopf freizubekommen von dem Rummel, der um die fristlose Kündigung von Georgi Wassilew entstanden war. „Unter diesen Voraussetzungen war es für jeden Spieler schwer, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Den meisten gelang das auch nicht“, sagte Tischanski. Auf eine einfachere Formel brachte es Lars Töffling. „Die Nerven lagen völlig blank“, sagte Unions Pressesprecher.

Union musste gegen Burghausen sogar zweimal einem Rückstand hinterherlaufen. Die 2:1-Führung für den Gast fiel zehn Minuten vor Schluss, war schon von daher nur noch schwer wettzumachen. „Wenn man die Entwicklung des Spiels sieht, muss uns das Mut geben. Die Mannschaft hat nie aufgegeben und ist kurz vor Schluss mit dem Ausgleich belohnt worden“, sagte Tischanski. Der Bulgare betrieb am Tag danach eifrig Analyse, schaute sich gründlich die Videokassette vom Spiel an. Zu Einzelkritik gab es hernach gewiss genügend Anlass. Die Behäbigkeit von Steffen Menze und sein mangelhafter Biss in den Zweikämpfen, das Verhalten von Torwart Sven Beuckert beim zweiten Gegentreffer – darüber diskutieren die Fans auf Unions Homepage im Internet. Tischanski aber hält nichts davon, einzelne Spieler öffentlich zu kritisieren. „Was ich zu loben oder zu tadeln habe, erfahren zuerst die Spieler von mir selbst und nicht aus der Zeitung“, sagt er. Nachdem gestern trainingsfrei war, wird heute wohl mit dem ein oder anderen Profi Klartext geredet werden müssen.

Ob er denn Fortschritte gesehen habe bei seiner Elf, wurde Tischanski gefragt. „Naja“, antwortete der Union-Trainer ausweichend, „richtige Fortschritte eigentlich nicht.“ Aber was nicht ist, kann ja bald werden. Vielleicht schon am kommenden Sonntag im nächsten Spiel beim Karlsruher SC?

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