Sport : Erst Hertha, dann Röber

Klaus Rocca

An dieser Rechnung gibt es nichts zu rütteln. "Wir haben noch 15 Spiele", sagt Dieter Hoeneß, "und da können wir noch 45 Punkte holen." Das ist mathematisch richtig und sportlich unwahrscheinlich. Egal, Hoeneß, Manager von Hertha BSC, will ohnehin nur deutlich machen, dass "bei uns keine Weltuntergangsstimmung herrscht". Gewiss, in der von ihm selbst propagierten Woche der Entscheidung habe es Rückschläge gegeben, doch er sei überzeugt davon, dass Hertha am Saisonende auf einem Uefa-Cup-Platz stehe. Dazu müsse die Mannschaft nach den Niederlagen in Dortmund und gegen Köln heute Wiedergutmachung leisten, im Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr, Olympiastadion).

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Ein wenig ratlos registriert Hoeneß, dass Hertha derzeit vom Publikum nicht angenommen wird. Erstes Spiel im neuen Jahr, endlich im Pokal wieder Heimrecht - und dann gerade mal 17 200 Zuschauer. "Das hat uns alle überrascht", sagt Hoeneß und gibt doch gleich den obligatorischen Hinweis auf die Baustelle Olympiastadion. Zugegeben: Es ist höchst unansehnlich, was sich da derzeit präsentiert. Dort, wo vor einiger Zeit noch die Hertha-Fans saßen, breiten sich Sandberge aus, der Gegengeraden fehlt sogar das Dach. Dass eben diese Fans derzeit in verschiedenen Blöcken sitzen müssen, fördert auch nicht gerade die Lust auf Gemeinschaft. Und diese winterlichen Tage, mögen sie zurzeit auch noch so frühlingshaft und an diesem Wochenende nach den Prognosen gar vorsommerlich sein, laden auch nicht zum Gang ins Stadion ein. Doch dass nicht einmal ein Drittel der Zuschauerkapazität beansprucht wird, ist ernüchternd.

Mit 42 000 im Durchschnitt hatte Hertha für diese Bundesligasaison kalkuliert. Rund 36 000 sind es bislang nur, mit Tendenz nach unten. Finanziell hält sich der Verlust in Grenzen, da die Erlöse aus Stadionbesuchen bei Hertha heutzutage nur noch 17 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen. Doch hier geht es um mehr als ums Geld. Hier geht es ums Image und um die stimulierende Kulisse. Da sieht es bei Hertha derzeit schlecht aus.

Das beste Gegenmittel sind Erfolge auf dem Rasen. Für Trainer Jürgen Röber wäre ein Sieg heute gegen Freiburg "nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, um ein bisschen Kredit zurückzugewinnen". Dabei geht es natürlich auch um ihn selbst, auch wenn Hoeneß wiederholt betont, "es geht zuerst um Hertha, dann um Jürgen Röber". Dass Röbers Traum vom Pokalfinale geplatzt ist, mag für den Trainer schmerzlich sein, Hoeneß deprimiert mehr das Scheitern des Vereins. Und damit natürlich auch das Ausbleiben des erhofften Geldsegens. Die Personalie Röber könnte jedoch ganz oben angesiedelt werden, würden sich die Misserfolge fortsetzen. Kann man es sich dann erlauben, Röbers für das Saisonende geplanten Abgang vorzuziehen? Ein vorzeitiges Wirken von Huub Stevens ist bei Schalkes derzeitigem Hoch höchst unwahrscheinlich. Und mit einem Nobody das Saisonziel anzupeilen, ist riskant.

Offiziell verschwendet man bei Hertha daran keine Gedanken. Fast beschwörend fordert Röber aus den nächsten drei Partien gegen Freiburg, Cottbus und Stuttgart drei Siege. Dass Hertha gleich 45 Punkte aus den restlichen 15 Spielen holt, daran glaubt aber selbst Hoeneß nicht.

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