Sport : Erst laut, dann stumm

Die Berliner Fans leiden mit ihrer Mannschaft.

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Nicht ausverkauft, aber voll. 68 041 Fans sahen Herthas Niederlage. Foto: dapd
Nicht ausverkauft, aber voll. 68 041 Fans sahen Herthas Niederlage. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Etwas überflüssig stand sie am Marathontor, die Zusatztribüne für das DFB-Pokalfinale. Gebraucht wurde sie nicht, denn schon auf den regulären Rängen klafften einige kleine Lücken. Aber auch wenn das Olympiastadion nicht ausverkauft war, waren dennoch immerhin 68 041 Fans gekommen, um Hertha BSC in der Relegation zu unterstützen.

Voll besetzt mit 74 244 Zuschauern war das Olympiastadion zuletzt gegen Bayern München, Borussia Dortmund – und zur Aufstiegsfeier gegen den SC Paderborn, vor einem Jahr, in der Zweiten Liga. Realistisch sind solche Kulissen auf Dauer wohl nur gegen Gegner der ersteren Kategorie, auch wenn mit Fortuna Düsseldorf mal wieder ein Zweitligist zu Gast war.

Die Fans hatten sich in der Rückrunde immer mehr in die Rolle des Fordernden hineingeschmollt. Sie wollten aus ihrer Desillusion von der Mannschaft zurückgeholt werden, mit Leistung, aber die blieb meist aus. Seit dem Sieg gegen Hoffenheim gehen die Anhänger mit ihrer Unterstützung in Vorleistung, die Mannschaft hat wieder einen kleinen Vertrauensvorschuss. Torwart Thomas Kraft wurde schon beim Warmmachen von der Ostkurve mit Sprechchören gefeiert, die Mannschaft mit Applaus, der in den Kader zurückkehrte Kapitän Andre Mijatovic klatschte dankbar zurück.

Fleißig wurden die vor dem Spiel ausgeteilten blau-weißen Fähnchen geschwenkt. Die Hertha-Fans blieben laut, aber fair, im Gegensatz zu etwa 8 000 mitgereisten Düsseldorfern, die „Wir sch… auf Berlin“ grölten und schon vor Spielbeginn rote Bengalos abbrannten. Die Berliner Anhänger sangen und klatschten vom Anpfiff weg optimistisch. „Auf geht's, Hertha, kämpfen und siegen!“ Weil auch die Düsseldorf akustisch dagegenhielten, dröhnte eine eigenwillige Kakophonie durchs Olympiastadion. So laut war es lange nicht mehr.

So kam durch das Flutlicht, die Kulisse und die Relegationsdramatik schon zwei Tage vor dem Cupfinale Endspielatmosphäre auf. Das Berliner Führungstor war dann ein Knall. Einige Ostkurvenfans zündeten einen Knallkörper, der Rest des Runds wedelte jubelnd mit Schals und Fähnchen. Hertha war nun weitaus hörbarer als Fortuna. Doch nach dem Ausgleich antworteten die Düsseldorfer wieder mit Pyrotechnik und Triumphgeschrei. Die Herthaner pfiffen sie zurück, vergeblich. Nach dem Führungstreffer gab es wieder Bengalos und das Lied: „Wir steigen auf und ihr steigt ab.“ Die Berliner Fans dagegen verstummten gespenstisch.

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