Sport : Erst mutlos, dann munter

Schalke gleicht beim 2:2 gegen Leverkusen ein fast verlorenes Spiel noch aus.

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Ab jetzt leidenschaftlich. Teemu Pukkis Anschlusstreffer bildete den Auftakt für eine druckvolle Schlussphase der Schalker, die mit dem Ausgleich belohnt wurde. Foto: dpa
Ab jetzt leidenschaftlich. Teemu Pukkis Anschlusstreffer bildete den Auftakt für eine druckvolle Schlussphase der Schalker, die...Foto: dpa

Timo Hildebrand wollte nicht hinschauen. Erst als der Jubel der 61 619 Zuschauer in der Schalker Arena ertönte, hob der Schalker Torwart seine Faust und schien sein Glück kaum fassen zu können. Raffael hatte gerade, fünf Minuten vor dem Ende, per Elfmeter für den FC Schalke 04 zum 2:2 (0:1) gegen Bayer 04 Leverkusen ausgeglichen und damit wohl das Optimum an diesem Abend für seine Mannschaft herausgeholt. Der Leverkusener Ömer Toprak hatte Teemu Pukki zuvor von den Beinen geholt und für diese Notbremse auch noch die Rote Karte gesehen. Ein besonders ärgerliches Ende für die Leverkusener, die lange Zeit wie der sichere Sieger aussahen.

„Wir haben einfach zu wenig Tore aus unseren Chancen gemacht“, sagte Kapitän Simon Rolfes. Allein in der ersten Hälfte hatte seine Mannschaft fünf hochkarätige Tormöglichkeiten, die André Schürrle, Daniel Carvajal und Sidney Sam teilweise kläglich vergaben oder mit ihren Schüssen an Hildebrand scheiterten. So wie bereits in den vergangenen Wochen schienen die Leverkusener sich so sehr an ihrem Kombinationsspiel zu berauschen, dass sie die entscheidenden Dinge beinahe völlig vergaßen. Außer Simon Rolfes, der wenigstens eine Möglichkeit zur Führung nutzte, die aber für Diskussionsstoff sorgte. Denn während sein Team angriff, lag der Schalker Ciprian Marica im Strafraum auf dem Boden. Die Leverkusener spielten weiter und erzielten das 0:1.

„Ob die Leverkusener den Ball ins Aus schießen mussten oder nicht, dazu will ich mich nicht äußern“, sagte Schalkes Trainer Jens Keller. Seine Meinung darüber war ihm allerdings anzusehen. Er hatte wohl fest damit gerechnet, dass der Ball im Seitenaus und nicht im Tornetz landen würde. Als Stefan Kießling nach 58 Minuten, nach einem unangenehm angeschnitten Freistoß von Michal Kadlec, auch noch den Ball mit den Haarspitzen ins Schalker Netz beförderte, schien die Partie entschieden zu sein. Es war der 19. Saisontreffer des Leverkuseners.

Die Schalker, die sieben Spieler entweder verletzt oder gesperrt ersetzen mussten, hatten in der ersten Hälfte mit viel Kampf aber wenig Qualität versucht, dagegen zu halten. Aber auch sie hatten sich zwei nennenswerte Möglichkeiten durch Julian Draxler und Raffael herausgespielt, auch sie gingen zu leichtfertig mit ihren Möglichkeiten um. „In der ersten Hälfte waren wir nicht bissig genug“, sagte Schalkes Trainer Jens Keller. Dass die Schalker doch noch zurück in die Partie fanden, hatten sie vor allem Leverkusens Torhüter Bernd Leno zu verdanken, der nach 71 Minuten einen Schuss von Michel Bastos schwach abwehrte. Pukki konnte zum 1:2 abstauben.

Im Anschluss übernahmen die Schalker, die zuvor mut- und ratlos wirkten, die Initiative. „Aufgrund der zweiten Hälfte war das Unentschieden verdient“, sagte Jens Keller. „Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Mannschaft, dass sie trotz der Personalsituation so zurückgekommen ist.“ Seine Mannschaft hatte sich aus ihrer eigenen Lethargie befreit und Bayer 04 von einer auf die andere Minute in Bedrängnis gebracht. Sie hatte plötzlich wieder an ihre Chance geglaubt. Mit diesem Remis haben die Schalker den Rückstand auf Leverkusen und damit auf Platz drei bei vier Punkten halten können. Wahrscheinlich war dies für sie die bedeutendste Meldung des Abends.

„Wichtig war, dass wir dieses Spiel nicht verloren haben“, sagte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes. „Wir müssen auch nach hinten gucken, das wird ein harter Kampf bis zum Ende.“ Die Leverkusener hatten dagegen schwer knabbern an diesem Remis. „60 Minuten lang war es von uns eine gute Leistung“, sagte Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski. „Aber dann haben die Schalker, auch mit Unterstützung des Publikums, den Druck erhöht.“ Darauf fand seine Mannschaft keine Antwort mehr.

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