Sport : Erst Silber, dann schlafen

Beckenschwimmer Marco Koch gewinnt die erste WM-Medaille für Deutschland – Britta Steffen erreicht Platz sechs.

Andreas Mohrbach
Marco Koch taucht aus dem Wasser auf.
Gelungene Premiere. Sein erstes WM-Finale beendet Marco Koch als Zweiter.Foto: afp

Barcelona - Der erste deutsche Medaillengewinner bei den Beckenschwimmern im Palau Sant Jordi musste Überstunden machen. Marco Kochs sieben Finalkollegen waren längst in alle Ecken der WM-Halle in Barcelona verschwunden, da stand der 23-Jährige immer noch da und erzählte über die vier Bahnen Brust, die er vor gut zehn Minuten absolviert hatte. Es folgte ein exklusives Lächeln für einen winkenden Fotografen, und dann erzählte Koch, wie einfach es sein kann, Silber bei einer WM zu gewinnen.

„Ich bin einfach dasselbe Rennen geschwommen wie gestern schon, und wie gestern Morgen auch schon“, erinnerte sich der angehende Student der Wirtschaftspsychologie an sein Halbfinale und seinen Vorlauf, die er einfach kopiert habe. „Es gab“, meinte Koch zudem, „ja keinen Grund, warum ich langsamer schwimmen sollte als bisher. Und dann war ich eben einfach noch einen Tick schneller als vorher.“

Das reichte zum zweiten Platz hinter dem Ungarn Daniel Gyurta – ein Klassement, über das sich Koch allerdings verdutzt zeigte. „Dass es für eine Medaille reicht, hätte ich nicht gedacht.“ Zum ersten Mal überhaupt stand er in Barcelona in einem WM-Finale. „Erstes Finale, erste Medaille – perfekt“, lautete Kochs entsprechender Kommentar.

Die Selbstsicherheit, die Koch vom ersten bis zum finalen Start zeigte, führte er in erster Linie auf eine Entscheidung zurück, die er nach seinem 13. Platz über 200 Meter Brust bei den Olympischen Spielen im Vorjahr getroffen hatte: erst möglichst kurz vor seinem Event in Barcelona einzutreffen. „Ich mag es nicht, früh an einem Wettkampfort zu sein“, sagte er und erzählte von Olympia: „In London war ich zehn Tage vor meinem ersten Rennen da. Dabei geht nach und nach die Spannung verloren“, sagte Koch. In Barcelona traf er erst am Sonntag ein, am Donnerstag absolvierte er dann seinen Vorlauf.

„Die Erfahrung der letzten Jahre, mit solchen Situationen und dem Druck umzugehen, hat mir hier sicher geholfen“, ahnte der gebürtige Darmstädter, der noch zu Hause bei seiner Mutter wohnt. Entsprechend nannte er sein Programm für den bevorstehenden Abend: „Ich genieße das im Stillen. Ich rufe meine Familie an und gehe dann ins Bett. Schlafen.“

Von solchen Aussichten konnte Steffen Deibler nur träumen. In seinem Halbfinale über 100 Meter Schmetterling donnerte die Weltelite derart durch das Becken, dass der Weltjahresbeste auf dieser Strecke am Ende nur als Sechster anschlug – und trotzdem als Siebtbester ins Finale am Samstagabend einzog. Der Schnellste im Halbfinale, der Amerikaner Ryan Lochte, war nur drei Zehntelsekunden schneller als der Weißrusse Yauhen Tsurkin auf Rang acht. Ob Deibler diese extreme Dichte der Konkurrenz erschrocken habe? „Wir sind hier schließlich bei einer WM“, sagte er.

Keine Medaille durfte man im Finale von Britta Steffen erwarten. In ihrem ersten 100-Meter-Finale bei einem großen internationalen Event seit 2009 schaffte es die 29-Jährige auf Platz sechs, verbesserte ihre 53,85 Sekunden aus dem Halbfinale nochmal um eine Zehntelsekunde und meinte anschließend: „Ich denke, ich kann zufrieden sein. Das war das schnellste Finale, das man auf dieser Strecke bisher erlebt hat.“

Weiter ist offen, ob Steffen ihre Karriere nach der WM fortsetzen wird. In Barcelona freut sie sich erst einmal auf ihren letzten Einsatz in der Lagenstaffel. Danach geht es in den Urlaub – „und dann“, erklärte sie, „werde ich mir Gedanken machen, wie alles in meinem Leben so weitergeht.“ Sprach Steffen und ließ auch mit Blick auf die Heim-EM im nächsten Jahr viel Platz für Spekulationen: „Auf jeden Fall will ich gern dabei sein. Bloß in welcher Form ist mir noch nicht ganz bewusst.“ Andreas Mohrbach

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