Sport : Erst spielen, dann streiten

Kramnik kehrt bei der Schach-WM ans Brett zurück, ficht aber Topalows kampflosen Sieg weiterhin an

Martin Breutigam

Berlin - In der südrussischen Stadt Elista wird seit Montag wieder Schach gespielt; die zerstrittenen Weltmeister Wladimir Kramnik und Wesselin Topalow haben sich vor ihrer sechsten WM-Partie sogar die Hand gegeben. Beides war kaum noch erwartet worden, nachdem Kirsan Iljumschinow, Präsident des Weltschachbundes Fide, am Vorabend nach dreitägigen Verhandlungen in der wichtigsten Streitfrage zugunsten Topalows entschieden hatte: Die fünfte Partie, zu der Kramnik nicht angetreten war, müsse als ein kampfloser Sieg für Topalow gewertet werden; der Wettkampf werde beim Stand von 3:2 für Kramnik fortgesetzt.

Vor Beginn der sechsten Partie, die am Montag nach ruhigem Verlauf remis endete, hatte Kramnik überraschend erklärt, er wolle trotzdem weiterspielen – unter Protest. „Ich bedauere zutiefst das unsportliche Verhalten meines Gegners“, schrieb Kramnik. „Die Fide hat ihm mit schmutzigen Tricks außerhalb des Brettes einen Sieg geschenkt.“ Wie berichtet hatte der Manager des Bulgaren Topalow nach der vierten Partie gegen die angeblich häufigen Klogänge des Russen protestiert und diesem damit Betrügereien unterstellt.

Für Kramnik war das darauf folgende Urteil des inzwischen zurückgetretenen Schiedskomitees, seinen Toilettenraum zu schließen, regelwidrig und formal unzulässig. Wenngleich das Spielen unter diesen Umständen sehr schwierig sei, will Kramnik die „überwältigende Mehrheit der Schachfans nicht enttäuschen“, die sich seit vielen Jahren eine Vereinigung der beiden WM-Titel wünschten. Er habe zwischen seinen „persönlichen Interessen und denen der gesamten Schachwelt“ abzuwägen gehabt.

In seiner Erklärung knüpfte der 31-Jährige seine weitere Teilnahme an die Bedingung, dass über den Ausgang der fünften Partie zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird. Vor der heutigen siebten von insgesamt zwölf Partien führt Kramnik mit 3,5:2,5 Punkten.

Inzwischen haben sich Großmeister aus aller Welt mit ihm solidarisiert. Ex-Weltmeister Anatoli Karpow jedoch hätte an Kramniks Stelle den Wettkampf nicht fortgesetzt. „Man hat ihm einfach einen Punkt gestohlen“, sagte Karpow in einem Interview mit dem russischen Schachmagazin „64“.

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