Sport : Erste Rettung

Dirk Nowitzki bewahrt Dallas vor dem Aus und erzwingt Spiel sechs

Matthias B. Krause[New York]

Da war es wieder, dieses kleine Wörtchen, das alle wahnsinnig macht. „Sie werden uns den Sieg nicht freiwillig geben”, sagte Dirk Nowitzki, nachdem seine Dallas Mavericks Dienstagnacht in der Play-off-Viertelfinalserie gegen die Golden State Warriors auf 2:3 verkürzt hatten. Die Mavericks stehen allerdings im sechsten Spiel bei den Golden State Warriors weiterhin überraschend vor dem Aus. Nowitzki sagt: „Wir hoffen, dass wir dorthin gehen und einen stehlen.“ Hoffen, sagte er. Nicht: Wir wollen, wir müssen, wir werden. Dass einer so vorsichtig spricht, daran können sie sich in den USA nicht gewöhnen. Sportstars haben sich auf die Brust zu schlagen und den Gegner einzuschüchtern. Nicht so Dirk Nowitzki.

Der ruhige Deutsche entzieht sich diesem Spiel auch in seinem neunten Jahr in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Er sagt Dinge wie: „Ich muss nehmen, was mir die Verteidigung gibt.“ Oder: „Ich muss werfen – und wenn es nicht geht, den Ball abgeben.“ Das klingt für Amerikaner seltsam. Bisweilen wird es gar Coach Avery Johnson zu viel. Vor der Begegnung am Dienstag, bei der es für die Mavericks, dem besten Team der regulären Saison, nach drei Niederlagen um alles oder nichts ging, platzte ihm der Kragen. „Fehlendes Selbstbewusstsein hat man einfach nicht“, sagte Avery Johnson. Sogar ein Spielermeeting berief Dallas ein. „Um sicherzustellen, dass wir alle an einem Strang ziehen“, wie Aufbaumann Jason Terry sagte.

Niemand weiß, was wirkte. Die hämischen Kommentare über Nowitzki, der wieder einmal in der Versenkung verschwindet, wenn es brenzlig wird. Die Trainerschelte oder die Fragen der Kollegen. Aber keiner bestreitet, dass es Nowitzki war, der die Mavericks vor einer der größten Blamagen in der Geschichte der Liga rettete – zumindest vorerst. Drei Minuten und zwei Sekunden waren noch zu spielen, die Warriors führten mit neun Punkten, als Nowitzki, den sich in Dallas alle wünschen, zuschlug. Erst versenkte er einen Drei-Punkte-Wurf, dann blockte er einen Wurf, warf wieder drei Punkte, nahm den Ball und zog zum Korb, ließ sich foulen, versenkte die Freiwürfe. Zwölf von Dallas’ letzten 15 Zählern gingen auf sein Konto, im Alleingang stellte er den 118:112-Erfolg sicher.

„Dirk hat uns heute auf seinem Rücken getragen“, lobte Teamkollege Devean George. Das wird er heute wieder machen müssen, im sechsten Duell der Serie, dann wieder in Oakland. Dallas muss siegen, um ein Entscheidungsspiel am Samstag in eigener Halle zu erzwingen. Gewonnen ist also noch nichts, immerhin fühlen die Warriors erstmals, dass sie etwas zu verlieren haben. „Der Druck lastet jetzt auf ihnen und drückt ihre rechten Arme herunter“, glaubt Avery Johnson. So würde das Nowitzki natürlich nie ausdrücken. Er sagte nach seiner Gala-Vorstellung mit 30 Punkten, zwölf Rebounds und der Explosion im letzten Viertel vielmehr: „Ich denke nicht, dass ich mir selbst irgend etwas beweisen muss.“ Wir haben 67 Spiele in der regulären Saison damit gewonnen, dass wir den Ball laufen lassen und zusammen spielen. So werden wir gewinnen – oder nicht.”

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