Sport : Erster Angriff, erstes Tor

Bayern gewinnt in Wolfsburg 3:1 und schließt zu Tabellenführer Leverkusen auf

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Anfassen erlaubt. Die Bayern-Teamkollegen bedanken sich bei Franck Ribéry, der Wolfsburgs Eigentor zum 3:0 erzwungen hat....dpa

Er hat es tatsächlich wieder versucht. Mit der Hacke! Gegen die Bayern! Zwanzig Minuten waren zwischen dem VfL Wolfsburg und Bayern München gespielt, als Edin Dzeko scharf an den Fünfmeterraum passte. Der Ball kam in den Rücken von Grafite, doch der Brasilianer lenkte den Ball mit der Hacke hinter seinem Standbein vorbei Richtung Tor – und knapp am Ziel vorbei. Ja, Grafite hat es wieder getan, zehn Monate, nachdem er dem FC Bayern mit seinem Hackentor die finale Demütigung zugefügt hat. Aber zehn Monate sind im schnelllebigen Fußball eine lange Zeit. Im April 2009 verloren die Bayern in Wolfsburg 1:5; gestern gewannen sie 3:1 (2:0). Die Münchner nahmen nicht nur eindrucksvoll Revanche für das Debakel, mit dem achten Sieg in Folge rückten sie auch bis auf zwei Tore an den Tabellenführer Bayer Leverkusen heran.

Nach nicht mal zwei Minuten waren die alten Zustände, die in der Vorsaison mit der Wolfsburger Meisterschaft ins Wanken geraten waren, nahezu wieder hergestellt. Gleich der erste Angriff der Bayern brachte ihnen das erste Tor. Bastian Schweinsteiger bediente Thomas Müller mit einem langen Pass, dessen Rückgabe in den Strafraum vollendete Arjen Robben, diesmal in vorschriftsmäßiger roter Unterwäsche, mit seinem siebten Saisontor zum 1:0.

Die Wolfsburger traten mit elf Spielern an, die auch schon in der Meistersaison auf dem Platz standen. Die Mannschaft mag die gleiche sein, die Spieler sind es nicht mehr. „Wir haben es noch nicht verdient, wieder Erfolge zu feiern“, sagte der neue Trainer Lorenz-Günther Köstner nach seinem misslungenen Heimdebüt. Der Erfolg der Bayern geriet bei allem Bemühen nie ernsthaft in Gefahr. Dabei hatte Wolfsburg sogar einige Chancen. Die größte vergab Grafite, der beim Stand von 0:1 frei vor dem Münchner Tor an Jörg Butt scheiterte.

Die Unachtsamkeiten in der Defensive brachten Trainer Louis van Gaal gegen die eigenen Spieler auf. „Ich bin sehr böse heute“, sagte der Holländer. Seine Mannschaft habe arroganten Fußball gespielt. Stimmt, sagte Mario Gomez. „Am Ende hat es keinen Spaß mehr gemacht, weil wir nichts Zwingendes mehr gespielt haben.“ Vor der Pause lag der Spaßfaktor höher. Anders als die Wolfsburger gingen die Bayern mit ihren Torgelegenheiten höchst ökonomisch um. Nach der zweiten Ecke für die Bayern köpfte Verteidiger Daniel van Buyten zum 2:0 ein. Der Belgier stand völlig frei, nachdem sich Ivica Olic im VfL-Strafraum beim Kopfball hatte durchsetzen können. „Da müssen wir geiler sein, das Tor zu verhindern“, klagte Torhüter André Lenz.

Über welche Qualität die Münchner verfügen, zeigte van Gaals erster Wechsel. Für Ivica Olic kam zur zweiten Halbzeit Franck Ribéry und mit ihm erst einmal zusätzlicher Schwung. Gleich nach Wiederanpfiff traf Robben den Pfosten, kurz darauf lenkte Lenz einen Schuss von Bastian Schweinsteiger zur Ecke. Nach einer knappen Stunde musste Wolfsburgs Torhüter sich zum dritten Mal geschlagen geben. Nachdem Lenz noch gegen Thomas Müller gerettet hatte, lenkte Andrea Barzagli den Ball vor Ribéry ins eigene Netz. Ribéry bejubelte das Eigentor des Italieners auf italienische Art. Mit dem Luca-Toni-Ohrschrauber grüßte er den Ex-Kollegen, der jetzt in Rom spielt.

Das Spiel war entschieden, und wie es um den Zustand des Noch-Meisters bestellt ist, zeigte sich knapp zehn Minuten nach dem 0:3. Nach einem Foul von Ribéry an Sascha Riether trat Grafite zum Elfmeter an. Allzu lässig schob der Brasilianer den Ball in die Arme von Jörg Butt. Die Bayern wiederum hätten mit ein bisschen mehr Entschlossenheit schon gestern den Tabellenführer Leverkusen von der Spitze der Bundesliga stürzen können. Beim Stand von 3:0 lagen sie nur noch ein Tor zurück, aber anstatt weiter nachzulegen, kassierten die Münchner in letzter Minute durch einen Abstauber von Grafite noch das 1:3.

Ob auch diese Nachlässigkeit seinen Unmut befördert habe, wurde van Gaal später gefragt. „Ich denke nicht, dass es zu diesem Zeitpunkt wichtig ist, Tabellenführer zu sein“, antwortete er. So spricht jemand, der zumindest ahnt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Bayern wieder ganz oben stehen.

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