Sport : Erster Erfolg, letzte Hoffnung

Alba Berlin glaubt noch an ein Weiterkommen im Uleb-Cup

Benedikt Voigt

Berlin - Marco Baldi stand in der Nähe des Bierstandes im Vip-Raum der Max-Schmeling-Halle und entwarf eine Theorie über das Abklatschen bei Basketballprofis. „Man kann dabei ihren Gemütszustand spüren“, behauptete der Vizepräsident von Alba Berlin und hielt seine rechte Handfläche nach oben. „Manchmal sind die Handflächen danach rot“, erklärte Baldi, nämlich dann, wenn die Emotionen groß seien. Nach dem Uleb-Cup-Spiel am Dienstagabend, berichtet er weiter, hätte seine Handfläche nach dem Abklatschen mit den Spielern von Alba Berlin knallrot geleuchtet.

„Man hat gemerkt, dass dieser Sieg etwas Größeres gewesen sein muss“, sagte Baldi. Dabei hatte seine Mannschaft gegen Lukoil Academic Sofia lediglich den ersten Erfolg (78:74) im Uleb-Cup bewerkstelligt. Die Tabelle weist die Berliner weiterhin als Tabellenletzter aus. „Ein Sieg und sechs Niederlagen, das ist gar nichts“, sagte auch Baldi. Und trotzdem hatte dieser Sieg vor 4601 Zuschauern eine Bedeutung, die über die weiterhin ernüchternde Bilanz der Tabelle hinausgeht. „Wir haben gesehen, dass wir in Europa dazugehören können“, sagte Trainer Henrik Rödl. Dank ihrer intensiven Verteidigung haben die Berliner sogar eine 3:17-Serie im dritten Viertel verkraftet. Trainer Rödl hatte in dieser Phase überraschend auf eine Auszeit verzichtet. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass wir den Faden total verloren hätten“, erklärte der Trainer.

Er hatte vor dem Spiel sein Team mit einem Beispiel aus der Vergangenheit motiviert. In der Saison 1998/99 war Alba mit sieben Niederlagen in die Europaligasaison gestartet und hatte danach mit einem Kraftakt die internationale Saison retten können. „Das muss nicht bedeuten, dass uns das jetzt auch gelingt“, sagte Rödl, „aber dieses Spiel könnte ein Schlüsselerlebnis sein.“ Psychologisch gestärkt tritt sein Team nun am Freitag in der Bundesliga bei den Artland Dragons an.

Im Uleb-Cup hofft Rödl nun, wieder den vierten Platz erreichen zu können, der für die nächste Runde qualifiziert. Allerdings haben die Siege von Euphony Bree und Estudiantes Madrid diesem Vorhaben geschadet. „Die Türe zum Weiterkommen ist nur einen Spalt offen“, sagte Rödl, „aber wir werden jetzt alles geben, um die letzten drei Spiele zu gewinnen.“ Auch eine Bilanz von vier Siegen und sechs Niederlagen könnte noch nicht zum Weiterkommen reichen. Die Berliner müssen womöglich auch noch einige direkte Vergleiche für sich entscheiden, am besten sofort im nächsten Uleb-Cup-Heimspiel am 3. Januar gegen Madrid mit mehr als acht Punkten gewinnen. Ein schweres Unterfangen.

Deshalb rückte bei Alba auch das positive Gemeinschaftserlebnis für Team und Umfeld in den Vordergrund. „Wir haben jetzt wieder mehr Selbstvertrauen“, sagte Nenad Canak. Der Serbe ist nach seiner Einwechslung mit gutem Beispiel vorangegangen und zog mehrfach mutig in die Zone der Bulgaren. „Es ist schon ein Luxus, wenn man so einen erfahrenen Spieler von der Bank bringen kann“, sagte Rödl. Mit einem erfolgreichen Dreipunktewurf 16 Sekunden vor dem Ende hatte Canak das Spiel endgültig gewonnen. „Das war nichts Besonderes“, sagte er. Er hatte in Oldenburg bereits in der Verlängerung mit einem Dreipunktewurf das Spiel gewonnen. „Da lagen wir zwei Punkte zurück, das war viel schwieriger“, sagte der 29-Jährige.

Henrik Rödl wollte eigentlich keinen Spieler hervorheben. „Dieses Spiel hatte viele Helden“, sagte der Trainer. Da war Demond Greene, der den bulgarischen Nationalspieler Todor Stojkow mit seiner aggressiven Verteidigung entnervte und ihm nur zwölf Punkte erlaubte. Oder Hollis Price, der wieder besser Regie führte und 16 Punkte erzielte. Doch die Ehre, neben Canak zweiter Held zu sein, gebührt dessen serbischem Landsmann Jovo Stanojevic. Er hatte 26 Punkte erzielt und zehn Rebounds gefangen. In den letzten Wochen hat er nach einer Viruserkrankung seine Form gesucht. „Wir haben heute gesehen, was in Europa möglich ist, wenn Stanojevic in Topform ist“, sagte Rödl.

Baldi schwärmte sogar von Stanojevics letztem Rebound. „So hoch habe ich ihn noch nie springen sehen“, sagte Albas Vizepräsident. Darin habe er bereits dessen unbedingten Willen zum Sieg gespürt. Dazu musste er ihn noch nicht einmal mehr abklatschen.

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