Sport : Erster nur bei den Ballverlusten

Helen Ruwald

Alba Berlin steht ganz oben. Nicht in der Tabelle der Basketball-Bundesliga (BBL), sondern in der BBL-Statistik nach neun Spieltagen. Gar so schlecht ist es um den Deutschen Meister nicht bestellt, könnte man meinen - wenn Alba nicht ausgerechnet die Kategorie "Ballverluste" anführen wurde. Wendell Alexis ist mit 3,8 Ballverlusten pro Spiel Spitzenreiter. Die Top 20 in sechs Kategorien listet die Fachzeitung "Basketball" auf. 120 Namen - ganze sechsmal taucht der Vereinsname Alba Berlin auf, immer unter ferner liefen. Marko Pesic ist Achter bei den Korbvorlagen (3,6 pro Spiel), Alexis Zehnter bei der Zahl der Punkte (18,2), Derrick Phelps Elfter bei den Assists (3,4), Zwölfter bei den Punkten (17,8) und Siebzehnter bei den Dreipunktewürfen (2,0). In den Rubriken Ballgewinne und Rebounds hat der kriselnde Meister es nicht in den Kreis der besten 20 Spieler geschafft.

Aus der Statistik ist abzulesen, woran es derzeit hapert: an fast allem. Nach drei Niederlagen liegt Alba vier Minuspunkte hinter dem Ersten, Frankfurt. "Wir müssen unsere Probleme lösen", sagte Trainer Emir Mutapcic immer wieder, und hatte die Genesung der vielen Verletzten im Sinn. Dann, so war herauszuhören, würde alles gut. Den entsprechenden Beweis muss Alba heute gegen Leverkusen (14.55 Uhr, Max-Schmeling-Halle, live im DSF) antreten. Neben dem Langzeitverletzten George Zidek fehlt nur noch Mithat Demirel. "Die physische Verfassung der Mannschaft ist viel besser geworden", sagt Mutapcic. Jörg Lütcke und Stefano Garris haben ihre Verletzungen in der zweiwöchigen Länderspielpause auskuriert. Der zuletzt angeschlagene Henrik Rödl war gegen Bosnien-Herzegowina bester Deutscher.

Alba spielt ab heute mit einem neuen, alten Center. Dejan Koturovic gehört acht Wochen nach seinem Rauswurf wieder zum Team und soll die Probleme unter dem Korb lösen. "Er ist körperlich in sehr guter Verfassung, mit ihm wird unser Spiel an Qualität gewinnen", sagt Mutapcic. Allerdings hat der Jugoslawe seit dem Meisterschaftsfinale im Juni nicht mehr gespielt. "Es ist normal, dass er noch nicht in Form ist", sagt Mutapcic. Allerdings ungünstig für Alba. Koturovic braucht Zeit, die nicht vorhanden ist.

Die Zeit der Ausreden und Alibis ist vorbei. Bis Weihnachten muss Alba sieben wegweisende Spiele bestreiten. In der Bundesliga sind die Gegner Leverkusen, Tabellenführer Frankfurt, der letztjährige Zweite Bonn und Gießen. In der Euroleague trifft Alba auf den Tabellenletzten Charleroi sowie die Topteams Maccabi Tel Aviv und Olympiakos Piräus. In drei Wochen wird abzusehen sein, ob Alba sich wieder an die Spitze wirft - oder ob die Ära Alba Berlin sich dem Ende neigt. Die achtziger Jahre gehörten Saturn Köln (vier Meistertitel), die neunziger Bayer Leverkusen (Meister 1990-1996). Seit 1997 dominiert Alba. Hat diese Vorherrschaft nun ein Ende? "Nein, das ist nur eine Schwächephase", sagt Otto Reintjes, der Commissioner der BBL, "Alba hatte unglaubliches Verletzungspech. Aber Berlin wird Meister. Dort spielt die halbe Nationalmannschaft, die Mannschaft ist seit Jahren eingespielt." Ob die Konkurrenz künftig wieder chancenlos sein wird, sei abzuwarten. "Wegen der Verletzten hat man Albas wahre Leistungsstärke noch nicht gesehen. Die nächsten Wochen sind aufschlussreich."

Die Fans sind nicht sehr euphorisch. Auf Albas Homepage tippen nur 17,6 Prozent von ihnen darauf, dass Alba Herbstmeister wird. 38,2 Prozent hingegen sehen den Meister zum Ende der Vorrunde nur auf Platz vier. Leverkusen wird heute ein schwieriger Aufbaugegner. Die Giants haben zweimal verloren - gegen Aufsteiger Tübingen nach 64:41-Führung mit 85:87 und gegen Köln nach 67:43-Führung mit 80:84. Ein dritter Aussetzer ist kaum zu erwarten.

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