• Erstes Achtelfinale bei der EM 2016: Schweiz unterliegt Polen 5:6 - Xhaka scheitert vom Punkt
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Erstes Achtelfinale bei der EM 2016 : Schweiz unterliegt Polen 5:6 - Xhaka scheitert vom Punkt

Die Polen feiern den größten Erfolg ihrer EM-Geschichte: Im Elfmeterschießen setzen sie sich gegen die Schweizer durch. Ein ehemaliger Gladbacher wird zur tragischen Figur.

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Einfach draufgehauen. Granit Xhaka schießt seinen Elfmeter links neben das Tor.
Einfach draufgehauen. Granit Xhaka schießt seinen Elfmeter links neben das Tor.Foto: AFP

Als Granit Xhaka das Spielfeld in Saint-Étienne verließ, applaudierten ihm seine Mitspieler und die Betreuer. Die Schweizer wollten ihn aufmuntern, er nickte nur gefasst. Xhaka hatte im Elfmeterschießen des Achtelfinales gegen Polen den einzigen Strafstoß aller Schützen verschossen. So zog nach dem 5:4 nicht die Schweiz, sondern Polen ins Viertelfinale der Fußball-EM ein.

Während sein Mitspieler Valon Behrami hinter ihm mit Tränen in den Augen und der Kapuze über dem Kopf zum Mannschaftsbus schritt, stand Xhaka mit klarem Blick aufrecht in der Interviewzone. „Heute war das Glück nicht bei mir und nicht bei uns. Das passiert. Wir werden es beim nächsten Turnier auf unsere Seite zwingen.“ Er wirkte nicht nur gefasst, sondern so, als wolle er gleich in den nächsten Zweikampf hechten. Xhaka ist kein Grübler.

Der ehemalige Gladbacher war einer der bestimmenden Akteure seiner Mannschaft, die über 120 Minuten besser und aktiver als die polnische auftrat. Doch bei einer EM bewahrheiten sich nun einmal selbst eingestaubte Weisheiten wie jene: Im Fußball gibt es keine B-Note. In dieser Disziplin hätte die Schweiz auch gewonnen, weil Xherdan Shaqiri artistisch mit einem Fallrückzieher das schönste Tor des Turniers zum 1:1 erzielt hatte. Die Polen aber besaßen die besseren Nerven und grandiosen Torhüter mit Lukasz Fabianski. Starstürmer Robert Lewandowski jedoch blieb auch im vierten Spiel ohne Torerfolg.

Schon beim Warmmachen wirkte er unkonzentriert, von zehn Torschüssen brachte er gerade mal drei ins Netz. Im Spiel wurde er zwar immer wieder von seinen Mitspielern gesucht, doch stand ihm dabei jedes Mal die persönliche Schweizer Garde auf den Schuhen. Nicht nur die Schweizer Verteidiger, sondern auch die defensiven Mittelfeldspieler kümmerten sich um Lewandowski.

Die Schweizer waren über weite Strecken das aktivere Team

Auch auf der anderen Seite hakte es. Die Schweizer brauchten für ihre Angriffe auf dem Rasen ungefähr so lange wie für ihre Antworten in einem Gespräch. Die Sturmreihe bewegte sich viel zu langsam, die Mitte war dicht, die Außen zu behäbig. Polen bewies kurz vor der Pause seine Stärke bei Kontern: Kamil Grosicki lief über die linke Seite und legte glänzend auf die andere Seite zu Jakub Blaszczykowski. Der ehemalige Dortmunder tunnelte den Schweizer Keeper Yann Sommer zur 1:0-Halbzeitführung.

Die Schweiz übernahm erst in der zweiten Halbzeit die Initiative und erspielte Chance um Chance. Doch die polnische Defensive und der grandiose Torwart Lukasz Fabianski schienen unbezwingbar. Sie mussten es artistisch lösen: Acht Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit drehte sich der Ball auf der Höhe der polnischen Strafraumkante in der Luft. Xherdan Shaqiri stieg hoch zum Fallrückzieher, ein kleiner Spieler mit einer quadratischen Statur, den sein ehemaliger Trainer Torsten Fink mal einen „Ninjaturtle“ nannte. In diesem Moment traf Shaqiri den Ball wirklich im Stile einer Actionfigur.

Der Ball flog von seinem Bein wie ein Strich an den Innenpfosten und von dort ins Tor. Der Schrei eines Stadions klang nicht wie „Jaaaaaa!“, sondern wie ein „Woooooa!“ „Gegen Rumänien habe ich das schon mal probiert, aber da habe ich den Ball in die Tribüne gehauen. Heute war es eine Mischung aus Instinkt und Training“, sagte Shaqiri. Der Grimm über das vergebene Viertelfinale war ihm dennoch anzumerken. „Wir müssen vielleicht auch mal in den entscheidenden Spielen unsere Chancen nutzen, nach so einem Spiel dürfen wir nie ausscheiden.“

In der Verlängerung hatte allein Eren Derdiyok zwei Mal die Chance zum 2:1 für die Schweiz, doch wieder rettete Fabianski die Polen über die Zeit. Er erklärte nach dem Spiel lapidar zu seiner sagenhaften Parade eines Freistoßes von Rodriguez: „Ich habe mich im Training vorbereitet, dass sie die Bälle so schneiden.“ Fernab jedes Understatements stand fest: Ohne ihn hätten die Polen dieses Spiel nie gewonnen.

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