Erstes EM-Halbfinale : Portugal gegen Spanien: Der Clasico Iberico

Siege gegen Spanien zählen in Portugal nicht doppelt, sondern dreifach – weil es so wenige davon gibt. Ein richtiger Erfolg wird diese EM deshalb für Ronaldo und Co. nur bei einem Finaleinzug.

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Seltenes Glücksgefühl. Beim letzten Aufeinandertreffen siegte Portugal mit Ronaldo (rechts) 4:0 gegen Spanien. Es handelte sich allerdings nur um ein Freundschaftsspiel. Die wichtigen Duelle gewann dagegen meist Spanien.
Seltenes Glücksgefühl. Beim letzten Aufeinandertreffen siegte Portugal mit Ronaldo (rechts) 4:0 gegen Spanien. Es handelte sich...Foto: Reuters

Lionel Messi ist immer dabei. Er folgt Cristiano Ronaldo auf jedem seiner langgezogenen und rasend schnellen Schritte, auch heute Abend, wenn sich die Fußballnationen aus dem äußersten Westen Europas treffen, im äußersten Osten Europas, wo der Argentinier Messi aus staatsbürgerschaftlichen Gründen nichts zu suchen hat. „Messi! Messi! Messi!“, werden sie auf den Tribünen der Donbass-Arena brüllen. Das gemeine Publikum macht sich schon seit langem einen Spaß daraus, den großartigen Fußballspieler Ronaldo durch die Überhöhung des großartigen Fußballspielers Lionel Messi zu demütigen. Das funktioniert bei Gastspielen von Real Madrid genauso wie bei dieser EM, erst recht heute Abend (ab 20.45 Uhr im Live-Ticker bei Tagesspiegel.de), wenn Ronaldo indirekt auf Messi und direkt auf dessen Kollegen vom FC Barcelona trifft. Und, natürlich, auf die eigenen von Real Madrid.

Dieses Halbfinale ist ein Clasico der besonderen Art. Ein Clasico Iberico mit integriertem Super Clasico, wie die Spanier die Duelle zwischen Barca und Real nennen. „Sie kennen uns, und wir kennen sie“, sagt Xavi Hernandez, Spaniens Zeremonienmeister des Tiki-Taka. Auf spanischer Seite stehen vier Madrilenen und fünf Barcelonesen, dazu als sechster vielleicht noch Pedro Rodriguez. Bei den Portugiesen ist Real immerhin dreimal vertreten. Neben Ronaldo noch durch dessen Kumpel Pepe, dem wahrscheinlich besten Innenverteidiger dieses Turniers, und durch Fabio Coentrao, den vielleicht besten Linksverteidiger. Dazu kommt aus der Ferne José Mourinho. Reals portugiesischer Trainer hat über ein Telefonat mit Verteidiger Ricardo Costa ausrichten lassen, Portugal habe eine sehr große Chance auf den EM-Titel – was einen Sieg über Spanien stillschweigend voraussetzt.

Von Cristiano Ronaldo sind solche Töne kaum zu hören. Er spricht wenig in diesen Tagen, er befindet sich in einem einseitigen Kriegszustand mit den portugiesischen Reportern, die ihm nach den ersten beiden Spielen gegen Deutschland und Dänemark mal wieder die Vaterlandsliebe absprachen, weil er im ersten gar nicht zu sehen war und im zweiten beste Torchancen im Zehn-Minuten-Takt versemmelte. Diese Abneigung ist aufseiten der Reporter gewohnt schnell in Bewunderung umgeschlagen, aber Ronaldo hat den Kriegszustand nach seinen großartigen Auftritten gegen Holland und Tschechien keineswegs für beendet erklärt. Wenn er etwas sagt, dann nur bei offiziellen Uefa-Terminen und dann auch nur brave Selbstverständlichkeiten wie: „Spanien hat eine große Mannschaft, aber ich hoffe, wir können sie schlagen.“

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