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Erstes Interview nach Steueraffäre : Hoeneß: "Ich habe Riesenmist gebaut."

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hat sich erstmals ausführlich zu seiner Steueraffäre und seinen Börsen-Spekulationen geäußert: "Da habe ich richtig gezockt", sagt Hoeneß. Mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft habe für ihn „die Hölle“ begonnen.

Denkmal in Schieflage: Uli Hoeneß.
Denkmal in Schieflage: Uli Hoeneß.Foto: dpa

Steuersünder Uli Hoeneß hat voller Reue Einblick in sein Seelenleben gewährt und seinen FC Bayern gegen jeden Verdacht in Schutz genommen. Der Vereinspräsident schloss Verbindungen seines Schweizer Kontos zum deutschen Fußball-Rekordmeister aus. „Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß“, sagte er im Interview der „Die Zeit“, aus dem „Zeit Online“ am Mittwoch erste Auszüge veröffentlichte. Nach seiner Selbstanzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 61-Jährigen wegen Steuerhinterziehung.

„Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist. Ich schlafe sehr schlecht“, sagte Hoeneß. Trotz des Wirbels hatte er aber die Reise zum Champions-League-Halbfinalrückspiel der Münchner beim FC Barcelona am Mittwoch angetreten. Der Bayern-Patriarch betonte: „Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch.“ Er wollen seinen Fehler „so gut wie möglich korrigieren“. Hoeneß räumte ein, mit seiner plötzlichen Rolle als Buhmann ein „großes Problem“ zu haben. „Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu“, sagte er.

Seine Zukunft als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München lässt Hoeneß offen - einen Rücktritt vor dem Champions League-Finale schließt er aber aus. „In so einer Situation ist man natürlich leicht geneigt, emotional zu reagieren. Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Person dem Verein schadet, werde ich Konsequenzen ziehen. Andererseits steht der Verein sportlich und wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor - und daran habe ich auch einen großen Anteil. Auf keinen Fall werde ich vor dem Finale der Champions League zurücktreten“, erklärte er. Hoeneß rechnet nicht damit, dass er auf der für kommenden Montag anberaumten Aufsichtsratssitzung gedrängt werden könnte, seine Ämter niederzulegen oder ruhen zu lassen. „Aus heutiger Sicht nein, aber ich kann die Entwicklung der nächsten Tage nicht voraussehen“, betonte er.

Erstmals gab er auch Einblicke in seine Börsen-Spekulationen. „In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem.

Das war der Kick, das pure Adrenalin“, erklärte Hoeneß. Nach dem Platzen der Internetblase am Finanzmarkt habe er schwere Verluste eingefahren.

Der frühere Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus habe ihn mit Geld unterstützt. „So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß. Schließlich habe er aber zu viele Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Er halte sich nicht für krank, versicherte der frühere Nationalspieler. „Zumindest heute nicht mehr. Sollte ich vor Gericht müssen, erscheine ich dort nicht als kranker Mann. Ein paar Jahre lang war ich wohl nah dran. Aber inzwischen halte ich mich für kuriert“, erklärte Hoeneß.

Der Bayern-Präsident zeigte sich überrascht vom Bekanntwerden seiner Selbstanzeige. Er sei lange davon ausgegangen, keine Strafverfolgung befürchten zu müssen. Am 20. März habe jedoch morgens um sieben Uhr die Staatsanwaltschaft an der Tür seines Hauses am Tegernsee geklingelt. „Da begann die Hölle für mich“, sagte er. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber gegen die Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Vollzug gesetzt wurde.

In dem Interview reagierte Hoeneß auch auf die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich über ihren Sprecher „enttäuscht“ vom Bayern-Spitzenfunktionär gezeigt hatte. „Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist“, sagte Hoeneß. (dpa)

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