Erstes Training bei Hannover 96 : Thomas Schaaf ist zurück aus der Ecke

Thomas Schaaf verbreitet am ersten Arbeitstag bei Hannover 96 Hoffnung auf den Klassenerhalt. "Hier hat sich einiges geändert", sagt Torwart Ron-Robert Zieler.

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Er kann nicht nur grummelig. Schaaf verbreitet bei 96 positive Stimmung.
Er kann nicht nur grummelig. Schaaf verbreitet bei 96 positive Stimmung.Foto: imago/Rust

Der Kniefall des neuen Stürmers vor dem neuen Cheftrainer sah ziemlich putzig aus. Adam Szalai, bei minus fünf Grad in kurzer Hose zum Trainingsauftakt von Hannover 96 erschienen, gehorchte Thomas Schaaf ohne jedes Murren. Er sank beim ersten gemeinsamen Fototermin zu Füßen seines Vorgesetzten in den Schnee und sorgte für eine Szene mit hohem Symbolwert. Ist das der neue Übungsleiter, der hart durchgreift und eine abstiegsgefährdete Mannschaft rettet? Will der ausgeliehene Szalai ein positives Signal setzen und frei von Erkältungsangst Hoffnung verbreiten? Rund 1000 Zuschauer suchten an diesem gründlich verschneiten Montagmorgen nach Antworten. Sie fanden in jedem Fall ein Gesicht, das man sofort wiedererkennt und das gut erholt aussah. „Ich freue mich riesig und habe große Lust. Aber das wird hier keine einfach Nummer“, sagte Schaaf bei seinem Amtsantritt in Hannover.

Es gab warmen Fan-Applaus und viele aufmunternde Worte für diesen Mann, der als einsilbig gilt und zur Begrüßung wie ein Wasserfall plauderte. Schaaf kann, wenn er will, auch richtig freundlich und kommunikativ. Die Entscheider von Hannover 96 sind guten Mutes, mit ihm den richtigen Mann für eine grundlegende Kurskorrektur gefunden zu haben. Präsident Martin Kind nennt seinen neuen Lieblingstrainer stabil, bodenständig und leistungsorientiert. Und er nimmt sich vor, Schaaf in Ruhe wirken zu lassen. Angesichts von lediglich 14 in der Hinrunde erkämpften Punkten gilt Hannover als großes Sorgenkind in der Fußball-Bundesliga. Aber immerhin hat der Verein durch Schaafs Zusage für den Rest der Saison eine schöne Bestätigung bekommen. Wenn sich einer der erfahrensten Bundesligatrainer dem Tabellenvorletzten anschließt, muss das eigentlich für eine ordentliche Perspektive sprechen. „Das ist einer der bekanntesten Trainer Deutschlands. Damit hat sich hier einiges verändert“, meinte Torhüter Ron-Robert Zieler nach dem ersten Training.

Ein Marathon an Telefonaten und Verhandlungen rund um Weihnachten und den Jahreswechsel hat signalisiert: Hannover 96 steckt den Kopf nicht in den Schnee, sondern will um seinen Verbleib in der Liga kämpfen. Geschäftsführer Martin Bader war erstaunlich fleißig. Er hat Schaaf angeheuert und den Kader vergrößert. Neben dem 28 Jahre alten Ungar Szalai, der von der TSG Hoffenheim kommt, darf Schaaf mit dem Japaner Hotaru Yamaguchi und dem Norweger Iver Fossum zwei weitere Neue integrieren. Zusätzliche Verstärkungen sollen folgen. Mit Wolfgang Rolff und Matthias Hönerbach unterstützten ihn treue Weggefährten aus Bremer Zeiten. Aber Schaaf startet mit einer schweren Hypothek. Er muss innerhalb weniger Wochen den Nachweis erbringen, dass Hannover 96 zu gut für den Absturz in die Zweite Liga ist.

Das vorherrschende Thema auf der Vip-Tribüne, auf der die Fans zum Trainingsauftakt ausnahmsweise Platz nehmen durften, war die Frage nach dem Warum. Eigentlich hat Schaaf mit seiner Vita, die vor allem durch große Erfolge mit Werder Bremen und bedingt durch sein problematisches Intermezzo bei Eintracht Frankfurt geprägt bleibt, auf große Aufgaben im bezahlten Fußball pochen können. Aber sein elfmonatiges Wirken in Frankfurt, von dem er im Mai 2015 entnervt zurückgetreten ist, wird ihm in erster Linie als Scheitern ausgelegt, weil er mit seinem Stil die Spieler nicht mehr erreicht hat. Und weil er sich am Ende bockig in die Ecke gestellt hat. An Hannover 96 will Schaaf nur dann längerfristig Gefallen finden, wenn unter seiner Regie der Klassenerhalt gelingt.

Den Fans machte er entsprechende Hoffnung. Potenziellen Kritikern nimmt er schon jetzt die Argumente. „Es wird schwer, uns den Vorwurf zu machen, dass wir nicht alles versucht hätten“, sagte Schaaf. Er setzte dazu dieses typische, breite Grinsen auf, das große Gelassenheit demonstriert und zugleich Nörgler auf Distanz hält.

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