Sport : Erwachsene Eintracht

Gereifte Frankfurter sind Bayerns zweiter Verfolger

Frank Hellmann[Frankfurt am Main]

Einen intellektuellen Vielredner wird man aus Alexander Meier nicht mehr machen. Insofern gefiel dem Buchholzer überhaupt nicht, was sich da am Samstagabend im Bauch der Frankfurter Arena abspielte. Da noch ein Mikrofon, dort noch eine Kamera, drüben noch ein Interview. Meier hier, Meier da. „Ich freue mich“, sagte der 24-Jährige. Es war kein Anflug von Regung, geschweige denn Freude bei ihm erkennbar. Dabei hatte er zwei Treffer zum 2:1 von Eintracht Frankfurt gegen den Hamburger SV erzielt.

Den ekstatischen feiernden hessischen Anhang im Stimmungstempel des Frankfurter Stadtwalds versorgte der Mittelfeldspieler mit den emotionalen Höhepunkten in einer rassigen Klassepartie. Erst schoss Meier, vor drei Jahren für weniger als eine Million Euro Ablöse vom Hamburger SV verpflichtet, die Gastgeber nach Vorarbeit des wie aufgedreht spielenden Markus Weissenberger in Führung, dann beantwortete er das umstrittene Elfmetertor des starken Rafael van der Vaart mit einer Volleyabnahme von der Strafraumgrenze zum 2:1.

Für Friedhelm Funkel waren die Volltreffer auch die Antwort auf viele Diskussionen um den mitunter phlegmatischen Taktgeber. „Er wird oft viel zu kritisch gesehen“, findet der Eintracht-Trainer. Dank der Meier-Treffer träumt manch einer bei der Eintracht bereits wieder von seligen Europapokalzeiten. Gemach, gemach, ruft Funkel, der indes den Vorstoß auf Platz drei durchaus als zwischenzeitliches Reifezeugnis wertet. „Das war ein Sieg der Leidenschaft. Die Mannschaft glaubt an sich und ist cleverer geworden.“ In der Tat: Vor allem der effektive Abräumer Junichi Inamoto, ablösefrei von Galatasary Istanbul verpflichtet, bewährt sich als stabilisierendes Element. Wenn Funkel von Lerneffekten spricht, dann ist der international erprobte japanische Auswahlspieler einigen ein vorbildlicher Lehrmeister.

Statt Meier lieferte übrigens Eintracht-Präsident Peter Fischer das Bonmot des Tages. „Wer hätte denn vor der Saison gedacht, dass wir ein Bayern-Jäger sind“, schmunzelte der eloquente Sunnyboy. Natürlich wollte er die Aussage nicht ernst verstanden wissen, sonst wird ihm Vorstandsboss Heribert Bruchhagen bei der nächsten Aufsichtsratssitzung gehörig die Meinung geigen. Und die ist schließlich deckungsgleich mit der des Trainers, der unablässig betont, dass keinerlei Zielkorrekturen notwendig seien. „Wir können realistisch damit umgehen“, betont der 53-jährige Pragmatiker. Die Vorgabe heißt diese Saison „45 Punkte plus x“, wobei besagtes „x“ noch nicht beziffert ist und jedweden Spielraum lässt, der womöglich schon nach den Frankfurter Spielen gegen Bochum, Karlsruhe und Cottbus erweitert werden muss.

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