Sport : Erzählen, wie es war

Axel Formeseyn und sein Leben als HSV-Fan

Stefan Hermanns

Als Mitte der Neunzigerjahre „Fever Pitch“ von Nick Hornby erschien, hat das bei den meisten Fußballfans eine ähnliche Reaktion ausgelöst: „Das ist das Buch, das ich schon immer schreiben wollte.“ Zum Glück haben die wenigsten das auch getan. Man will diese Art von Gesinnungsliteratur ja nicht mehr lesen: Wie wir damals bei der Auswärtsfahrt nach Hinterposemuckel den Sonderzug der Deutschen Bahn auseinander genommen haben …

Axel Formeseyns Buch „Voll die Latte“ ist nicht ganz frei von solchen Anflügen, doch hebt sich sein Werk von der allgemeinen Betroffenheitslyrik positiv ab. Formeseyn, Jahrgang 1972, HSV-Fan seit Kindertagen und Kolumnist der Fußballzeitschrift „11Freunde“, ist kein Hornby, auch nicht sein Bruder oder sonstwie mit ihm verwandt. Er will es auch gar nicht sein. Die theoretische Überhöhung der eigenen Fan-Erfahrungen ist ihm fremd. Er will einfach nur erzählen, wie es war.

Das ist oft witzig, wenn er zum Beispiel berichtet, wie sein betrunkener Onkel aus Schweden die Übertragung des Europacupfinales gegen Juventus Turin sprengt; manchmal traurig, weil sogar das Leben eines Fußballfans nicht ausschließlich aus Fußball besteht. Formeseyns Stil ermüdet auf Dauer etwas, die flapsige Sprechsprache, das dauernde „Wie geil ist das denn?“ und andere Eigenheiten. Aber man gewöhnt sich daran.

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