Erzrivalen : Afrika-Cup: Revanche und Fußtritte

Ägypten feiert den Sieg über den Erzrivalen Algerien beim Afrika-Cup. Ende 2009 noch hatte Algerien den Ägyptern die Teilnahme an der WM in Südafrika weggeschnappt.

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Schon wieder Rot. Der Algerier Halliche (Nr. 5) fliegt vom Platz. -Foto: dpa

Kairo - Heiser, glücklich und unausgeschlafen stehen ein Dutzend Männer beim Zeitungshändler am Suliman-Guhar-Platz im Kairoer Stadtteil Dokki herum. „Die Dampfwalze der Pharaonen hat Algerien zerquetscht“, ist da zu lesen, und „80 Millionen Ägypter sind glücklich“. Die halbe Nacht haben die Männer kein Auge zugetan, wie fast alle in der Stadt. Schon Minuten nach dem souveränen 4:0-Sieg ihres Nationalteams im Halbfinale des Afrika Cups in Angola über den Erzrivalen Algerien bebten die Nilbrücken unter dem ohrenbetäubenden Lärm hupender Autokorsos und johlender Fans. Auf dem Tahrirplatz im Zentrum der Hauptstadt brach der Karneval aus.

„Wir haben unsere Würde zurück!“, brüllt ein junger Mann im Getümmel am Straßenrand. „Das ist die Revanche für Sudan.“ Ende 2009 noch hatte nämlich Algerien den Ägyptern die Teilnahme an der WM in Südafrika im Entscheidungsspiel in Khartum weggeschnappt – begleitet von Faustkämpfen der Fans und diplomatischen Affären. Auch diesmal ging es nicht ohne Gewalt ab. Gleich drei Algerier wurden vom Platz gestellt – zuletzt Torwart Fawzi Chaouchi nach einem brachialen Fußtritt. Danach gab es Ausschreitungen in den französischen Städten Marseille, Toulouse und Lyon, bei denen sich algerische Fans Straßenschlachten mit der Polizei lieferten und Autos anzündeten. Auch die algerischen Blätter kommentierten das verlorene Duell trotzig. „Besingt nur eure morbide Freude, ihr Heulsusen von Kairo“, wütete die Zeitung „La Tribune“ und beschimpfte den Schiedsrichter als „das eigentliche Schwein“ des Spiels.

Die Fans in Kairo dagegen fiebern dem Afrika-Cup-Finale am Sonntag gegen Ghana entgegen, das sich mit 1:0 gegen Nigeria durchsetzte. Und dann hoffen sie, dass ihr Team den Cup zum dritten Mal in Folge an den Nil holt. „Dann“, sagt ein junger Mann, „sind wir wenigstens Weltmeister von Afrika.“ 

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