Sport : Erzwungenes Glück

Dortmund besiegt Bremen durch ein Eigentor mit 2:1

Felix Meininghaus

Dortmund. Es war eine durchaus indifferente Stimmung im Dortmunder Westfalenstadion vor Beginn des Spitzenspiels gegen Werder Bremen: „Wir haben jetzt nicht nur die besten Fans in Deutschland, sondern auch eines der schönsten Stadien in Europa“, hatte Dortmunds verletzter Kapitän Christoph Metzelder vollmundig verkündet. Doch die Rekordkulisse von über 80 000 Zuschauern im ausgebauten Westfalenstadion weigerte sich erst einmal beharrlich, für Galastimmung zu sorgen. Dafür sind Bedenken und Skepsis nach turbulenten Wochen mit dem Aus in der Champions League und all den Gehaltsdiskussionen derzeit einfach zu groß. Zwar blieben Pfiffe und die befürchteten Gesänge von den „Scheiß–Millionären“ aus. Doch zu mehr als vornehmer Zurückhaltung waren die Fans in schwarz-gelb bis zum Schlusspfiff nicht zu bewegen.

Am Ende hat der BVB gegen den Tabellenführer von der Weser mit 2:1 (1:1) gewonnen, doch der Sieg war ein schmeichelhafter, und das Erfolgserlebnis allein vermochte die Fans nicht vollständig zu versöhnen. Immerhin, die Einstellung der viel kritisierten Profis stimmte, womit sie zumindest die Minimalvoraussetzung für eine freundliche Beurteilung erfüllten. „Wir haben gekämpft und gebissen, das muss auch mal reichen“, urteilte Nationalspieler Sebastian Kehl nach dem Schlusspfiff.

Erstmals war die Kulisse aus sich herausgekommen, als die Kunde vom 0:1-Rückstand der Bayern in Wolfsburg verbreitet wurde. Diese Neuigkeit freute auch die Anhänger der Gäste, die jedoch weniger begeistert waren, als der BVB nach 16 Minuten in Führung ging. Dortmunds seit Wochen formschwacher Brasilianer Enrique Ewerthon hatte im zweiten Anlauf verwandelt und so dafür gesorgt, dass die Versöhnungsbereitschaft der Dortmunder Kundschaft spürbar stieg. In der Folgezeit versuchte das Team von Matthias Sammer zwar, nicht nur kämpferische Akzente zu setzen, sondern auch gepflegten Kombinationsfußball zu bieten, doch zu mehr als bemühten Ansätzen reichte es nicht. Vor allem, was Spielmacher Tomas Rosicky in der Offensive inszenierte, war viel zu wenig zwingend.

Und weil die Dortmunder in der Rückwärtsbewegung nachlässig agierten und Torwart Roman Weidenfeller auch noch durch merkwürdiges Stellungsspiel auffiel, kam Werder in der 41. Minute durch einen Drehschuss von Krisztian Lisztes zum Ausgleich.

Daran hatten die Gastgeber zu knabbern, in der zweiten Hälfte taten sie sich weiterhin schwer. Und hätte Lisztes in der 48. Minute nicht nur die Latte getroffen, wäre es noch wesentlich schwerer geworden. So langte es zur Entscheidung, bei der die Bremer tatkräftig mithalfen. Der Bremer Frank Baumann wollte nach einem Lattentreffer von Ewerthon kurz vor der Torlinie per Kopf klären. Baumann köpfte aber seinem Mannschaftskollegen Valerien Ismael genau an den Kopf, der den Ball ins eigene Tor lenkte. Eine glückliche Führung oder, wie es Bremens Trainer Thomas Schaaf formulierte, „Unvermögen. Solche Szenen kannst du nicht nachstellen.“

Für Dortmund reichte es zum Sieg, weil Angelos Charisteas zweimal in bester Position am Einschuss gehindert wurde. Manndecker Andre Bergdölmo und Weidenfeller vereitelten mit massivem Einsatz den verdienten Ausgleich. Sammer nahm den positiven Lauf des Schicksals gerne an. „Es war nicht gerade glänzend, was wir hier geboten haben, aber nach dem, was die Mannschaft in den letzten Wochen alles wegstecken musste, habe ich Respekt vor ihr.“

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