Sport : Es bleibt unruhig

Schalke siegt durch kuriose Tore 2:1 gegen Frankfurt – nun steht der Gipfel Magath gegen Tönnies an

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Die Lage des Vereins FC Schalke 04 lässt sich gut anhand eines Namens beschreiben: Angelos Charisteas. An der Verpflichtung des weithin belächelten Stürmers im Winter entzündete sich die Debatte um das Wirken des allmächtigen Trainermanagers Felix Magath. Am Samstag im Spiel gegen Eintracht Frankfurt lieferte der verlachte Grieche den vorläufigen Höhepunkt des Schalker Sportdramoletts, indem er durch sein 2:1-Siegtor zum Helden wurde. Plötzlich lachte niemand mehr über Charisteas. Magath verkniff sich jegliches Triumphgeheul, sondern sagte nur, es freue ihn, „dass Charisteas reingekommen und gleich sein erstes Tor für Schalke gemacht hat“. Nicht viel euphorischer wurde der umstrittene Trainer, als er gefragt wurde, was die jüngsten Siege für seine Zukunft in Gelsenkirchen bedeuteten: „Ich beurteile die Situation nicht nach einem oder zwei Spielen. Deshalb messe ich dem Sieg nicht so große Bedeutung zu, auch wenn er natürlich schön ist.“

Vor allem war er schön kurios. Den Führungstreffer verdankten die Schalker einem schweren Fehler des Frankfurter Torhüters. Ralf Fährmann verlor den Ball im eigenen Strafraum beim Versuch eines Abschlags leichtfertig an den lauernden Raúl und wusste sich dann nur mit einem Foul zu helfen. Den Strafstoß nutzte José Manuel Jurado zur Führung – auf diesen ersten Höhepunkt mussten die Zuschauer bis zum Ende der ersten Hälfte warten.

Kurz nach der Pause machte Fährmann seinen Fehler mit einer Rettungsaktion gegen Gavranovic wieder gut und hielt die Eintracht im Spiel. Die Schalker drückten und drängten in der zweiten Hälfte, gerieten aber nach einer Reihe vergebener Chancen vorübergehend aus dem Tritt und mussten sogar den Ausgleich hinnehmen. Georgios Tzavellas erzielte im neunten Spiel das erste Rückrundentor für die kriselnden Frankfurter, es war eigentlich eine Flanke aus 73 Metern, die durch Freund und Feind hindurchhoppelte ins Tor. Als alle dachten, es könne nicht mehr kurioser werden, schickte Magath Charisteas auf den Platz. Eine Minute später nutzte der Grieche seinen ersten Ballkontakt zum 2:1 für Schalke.

Clemens Tönnies verfolgte das alles vermutlich daheim am Fernseher. Der Chef des Aufsichtsrates war dem Stadion – angeblich wegen einer Erkältung – ferngeblieben. Tönnies hatte dem Trainer vorgeworfen, „sozial inkompetent“ zu sein und einen „unmenschlichen Umgang“ mit Vereinsangestellten zu pflegen. Deshalb müsse der Klub die „Reißleine ziehen“. Das überzeugende 3:1 gegen den FC Valencia in der Champions League aber hatte Magaths Position offenbar ein wenig stabilisiert. Wie es heißt, steht das Thema „Abberufung des Vorstandssprechers“ zunächst einmal nicht auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung, die an diesem Montag stattfinden soll.

Ob das Weiterkommen in Europa und der knappe Sieg über Eintracht Frankfurt genügen, den Aufsichtsrat zumindest kurzfristig von seinen Trennungsabsichten abzubringen, wird wohl das Nachspiel am Sonntag zeigen. Für diesen Termin nämlich hat Tönnies den Trainer und Manager zu einem „klärenden Gespräch unter Männern“ eingeladen. Eine auf Dauer tragfähige Versöhnung steht nicht unbedingt zu erwarten. Vielleicht aber werden die verbalen Kampfhandlungen eingestellt, die den Klub in den vergangenen Tagen durchzogen haben – oder es wird gar ein Burgfriede geschlossen, der (mindestens) bis zum Saisonende hält.

Wie verfahren die Lage im Verein ist, wie sehr die Personalie Magath polarisiert, lässt sich auch anhand der gespaltenen Reaktionen der Fans in dieser Angelegenheit ersehen. Manche von ihnen nutzten das Stadion vor dem Anpfiff zu einer Art Demonstration. Sie hielten Transparente hoch. „Pro Felix – gegen Tönnies“ lautete eine der Botschaften. Andere sprachen sich gegen den Trainer aus: „1000 Freunde statt 1 Diktator“, „Niemals FC Magath“ oder „Heiler Klub statt starker Mann“. Spätestens am Montag wird sich wohl entscheiden, in welche Richtung es weitergeht beim FC Schalke 04.

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