Sport : Es darf gelacht werden

Ottmar Hitzfeld versucht die Krise bei Bayern zu überspielen

Detlef Dresslein

München. Beim FC Bayern München wirkte in den vergangenen Tagen äußerlich vieles sehr beschaulich, fast schon idyllisch. Nach dem Training verlangte Trainer Ottmar Hitzfeld wie immer vom Ordner einen Filzschreiber, um Autogramme zu geben. Auch er wirkt fast erholt, zwar angespannt, aber längst nicht so wie noch an den Tagen zuvor. Hitzfeld lächelt sogar, als er sich zu den Fans durchschlägt. „Das sind ja mehr Journalisten als Fans hier“, sagt er mit falschem Staunen.

Die enorme Medienpräsenz ist der einzige Hinweis auf die brisante Lage. Der andere ist das umfassende Schweigen. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß, bekannt für deftige Interviews, sagen konsequent gar nichts. Nur Franz Beckenbauer redet. Er ist zwar in der Hierarchie nur noch ein Grußonkel neben Rummenigge und Hoeneß, aber was er gesagt hat, stimmt bedenklich. Er gehe vor dem Spiel beim SV Werder am Sonntag (17.30 Uhr) davon aus, „dass wir die drei Punkte in Bremen lassen. Ich habe im Moment kein großes Zutrauen zu dieser Mannschaft“, sagte Beckenbauer in einem „Premiere“-Interview. Als Trainer „würde ich es als große Herausforderung ansehen, mal einen jungen Spieler auszubilden. Es ist einfach, immer nur zu sagen, ich will den Spieler haben oder den.“ Deutlicher kann man einen Trainer kaum abwatschen.

Der 53-jährige Hitzfeld ist in der schwersten Phase seiner Bayern-Jahre angekommen, versucht die Situation mit bemühter Leichtigkeit zu übermalen. In der „Bild“-Zeitung wird über seine Ablösung schon gar nicht mehr spekuliert, sie scheint amtlich. Wie schwach, aber gleichzeitig entschlossen, wirkt da sein knappes „Ja“ auf die Frage, ob er seinen bis 2004 laufenden Vertrag erfüllen werde und wolle. Derweil werden in Wettbüros bereits die Quoten für den Nachfolger präsentiert. Guus Hiddink liegt vorne, weniger aussichtsreich ist Rudi Gutendorf, der noch hinter Mario Basler und Boris Becker liegt. Es darf gelacht werden.

Aber die Situation ist ernst. Nein, er habe nicht an Rücktritt gedacht, ja, er habe das Vertrauen des Vorstandes, und natürlich erreiche er die Mannschaft noch, beteuert Hitzfeld. Was soll er auch sagen? Wie es weitergeht, liegt wohl nicht mehr in seiner Hand. Er wird es erfahren, wenn sich die Vorstandschaft aus ihrer Schockstarre gelöst hat.

Bis dahin arbeitet Ottmar Hitzfeld. Immer wieder unterbrach er die Trainingseinheiten vor dem Spiel in Bremen um den Spielern etwas zu erklären. „Wenn die Mannschaft verunsichert ist, muss man korrigieren“, sagt er. Früher ließ er es immer laufen und schaute zu. Seinen Stil werde er ändern, sagte er neulich, was das bedeutet, verriet er nicht. „Das werde ich mit der Mannschaft besprechen. Ich bin ein Trainer, der sich der Situation anpasst.“ Und die erfordert eine harte Führung? Nein, sagt Hitzfeld: „Es nutzt nichts, immer auf die Mannschaft einzuprügeln. Mit knüppelharter Diktatur kommt man bei Leistungssportlern auch nicht weiter.“

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